banner www.behindertenarbeit.at
zur Startseite die aktuellsten Textbeiträge und die neuesten Nachrichten aus den Bundesländern alle Textbeiträge und Nachrichten nach Themen geordnet Stellenanzeigen - Download-Area - Service der Berufsverbände ... kommentierte Links, geordnet nach Themen alle Terminankündigungen

 


 

Top Thema

goed-hable

Pflegegeld und Pflegevorsorge

Aktuell: Debatte um Pflegegeld. Gewerkschaft gegen Kürzungen!
[...weiter]

top beiträge

BAGS Kollektivvertrag 2010

Caritas Kollektivvertrag 2010 Gehaltstabelle

Die Berufliche Integration von behinderten Männern. Und Frauen.

Pflegegeld: Mitbestimmung für Pflegefachkräfte wird getestet

Einstellungen von ProfessionistInnen gegenüber behinderten Menschen


neueste beiträge

 

Wahlen in Wien 2010: Besondere Möglichkeiten der Stimmabgabe für behinderte Menschen

31.08.2010 | Briefwahl und mobile Wahlkommission sollen die Wahl erleichtern

Wahlen Steiermark 2010: Wie kann gewählt werden?

31.08.2010 | Erleichterungen für behinderte und kranke Menschen durch Briefwahl, mobile Wahlkommission und Wahlen in Sozialeinrichtungen

Wien – die City ertasten

30.08.2010 | Tourist Info bietet blindenfreundlichen Stadtplan an

Corporate Social Responsibility (CSR) – Oberösterreichs Unternehmen zeigen wie’s geht!

23.08.2010 | Unternehmen springen für säumige Landesregierung in die Presche

Christoph Schlingensief ist tot

22.08.2010 | Behinderten-Community verliert engagierten Fürsprecher



02.07.2002 18:23

[ Barbara Pranzl ]

[ Berufsverband der BehindertenbetreuerInnen ]


Berufsbild ?!


Zur gesellschaftlichen Position der Behindertenarbeit


Ich stelle dem folgenden Kommentar einige Grunderkenntnisse voran, ohne die der Versuch einer Positionsbeschreibung unmöglich ist:

1. Menschen mit Behinderung werden in unserer Gesellschaft diskriminiert, sie befinden sich in einer Randposition.

2. Soziale Arbeit hat einen unterdotierten Status, sie wird meist karitativ, helfend, beschrieben; dass soziale Arbeit eine notwendige und wichtige Funktion für die gesamte Gesellschaft hat, wird meist übersehen.

3. Infolgedessen ist es auch Aufgabe des Unterstützungsnetzes, Diskriminierungen zu erkennen und Gegenstrategien zu entwickeln. Soziale Arbeit hat also immer auch eine politische Dimension.

Berufssicht

Menschen mit Behinderung leben meist in einem institutionellen Rahmen. Eigenständige soziale Netze außerhalb dieser Institutionen sind oft brüchig. BetreuerInnen gestalten ihre Arbeitsaufträge innerhalb solcher Institutionen, sind also selbst Teil eines ausgrenzenden Systems. Trotzdem ist und sollte es auch Arbeitsauftrag sein, Brücken zwischen diesem "Sonderalltag" und anderen gängigen Gesellschaftsstrukturen zu bauen. Dies bedeutet, die Wünsche und Bedürfnisse der KlientInnen richtig zu deuten und eine "DolmetscherInnenfunktion" zu besetzen. Diese übersetzende und vermittelnde Position erzeugt immer wieder widersprüchliche Strategien, solche Situationen zu bewältigen. Wir nehmen es in Kauf, dass unser Gegenüber den/die KlientIn mit den üblichen Klischees bedenkt. Das Bild, das sich über unsere Tätigkeit zeigt, lassen wir meist unwidersprochen. Oft weniger, weil wir von deren Richtigkeit überzeugt sind, sondern vielmehr weil auch wir gelernt haben, diese Klischees zu einem Vorteil zu nutzen.

Das Klischee schlägt zurück

Ähnlich verfestigt sind auch die Bilder, die Außenstehende von der Behindertenarbeit haben. Jeder/Jede kennt Aussagen wie "Da haben sie es sicher auch nicht immer leicht" oder "Da braucht man sicher sehr viel Geduld". Diese Gemeinplätze verunmöglichen meist eine differenzierte Beschreibung der Tätigkeit. Trotzdem besitzen sie einen wahren Kern, wobei hier nicht zwingend die Arbeit mit dem/der KlientIn gemeint ist, sondern vielmehr die Arbeit mit dem direkten Lebensumfeld.

Solche Schein-Anerkennungen verhindern letztlich die direkte Auseinandersetzung mit realen Problemen. Die Arbeit, aber auch die Lebenswelten von Menschen mit Behinderung bleiben im diffusen Nebel von "helfen" und "geholfen werden". Mit dieser oberflächlichen und undifferenzierten Sicht ist es dann aber leicht, tatsächliche Schwachpunkte und Verschlechterungen positiv darzustellen.
Die Diskussion vor zwei Jahren, bei der PolitikerInnen sehr vehement dafür eintraten, langzeitarbeitslose Personen zur Arbeit mit Menschen mit Behinderung zu verpflichten, deutet darauf hin, dass Wissen und Kompetenz gegenüber ökonomischen Interessen ein Nachsehen haben.

Diese inflationäre Sicht auf die Arbeit gibt es aber nicht nur seitens politischer Entscheidungsgewalt, auch Institutionen verhalten sich hier oft doppelbödig und langfristig unvernünftig. In der OÖ Rundschau vom 31.5.2001 wird der
kaufmännische Direktor einer großen Institution zitiert, der anstelle eines guten Aktienkurses eine "ethische Rendite" sowohl für die NutzerInnen als auch für die MitarbeiterInnen ausschüttet. Zu befürworten ist diese "Rendite" wenn es sich um Sozialleistungen wie den Betriebskindergarten, den Sonderkarenzurlaub und ähnliches handelt. Wenn aber wie in dieser Institution zu achtzig Prozent Frauen arbeiten, für die diese Arbeit "der Wiederseinstieg in das Berufsleben" bedeutet sind solche Maßnahmen aus beiden Blickpunkten kritisch zu hinterfragen.

Für die MitarbeiterInnen muss die Frage gestellt werden, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie in diesem Beruf sehen, wie abhängig sie von der Institution als ArbeitnehmerInnen sind. Der Institution muss die Frage gestellt werden, ob sie unter dem Deckmantel Arbeitsintegration billige und abhängige, somit auch unkritische MitarbeiterInnen beschäftigt.

Die Darstellung von Behindertenarbeit als eine Art "Schwellenberuf", der im Schnellsiedekurs für alle und jede/n geeignet ist, zeigt letztlich den unterdotierten Status dieser Tätigkeit an. Wird noch dazugedacht, wie abhängig der
Bereich von der Arbeit ist, die Zivildiener und PraktikantInnen leisten, wird klar, dass allen
Lippenbekenntnissen zum Trotz Sozialarbeit vor allem billig sein soll.



zu diesem Thema:

[01.03.2007] Soziale Lehre

[02.07.2002] Berufsbild ?!

[01.05.2000] Das Gute daran ?