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01.03.2007

[ Dir. Gerhart Hofer ]

[ Sozialberufe Götzis: Kathi-Lampert-Schule ]


Soziale Lehre


Eine Rückmeldung zum Artikel "Die Schweiz setzt auf Lehrlingsausbildung im Betreuungsdienst”,
farbe 2006 07


Als beratendes Mitglied der Entwicklungsgruppe "Soziale Lehre" für Österreich darf ich rückmelden, dass die Initiative dazu nicht vom bmbwk, sondern von Egon Blum, dem Regierungsbeauftragten für Jugendbeschäftigung kam. Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass in den kommenden fünf Jahren die Zahl der Jugendlichen in Österreich nochmals ansteigt, bevor sie dann massiv zurück geht. Für diese jungen Menschen müssen Bildungsangebote geschaffen werden, auch wenn der Arbeitsmarkt wenig Möglichkeiten hat. Nichts ist schlimmer für einen Jugendlichen, als nicht gebraucht zu sein. Der Bereich Gesundheit/Soziales bietet sich als Berufsfeld mit hoher Dynamik an - trotz aller Bedenken. Viele europäische Länder haben einschlägige Ausbildungen für junge Menschen. Hier etwas in Österreich zu tun, war die Motivation von Egon Blum, sich für die Soziale Lehre zu engagieren. Die Frage bleibt, ob sie umgesetzt werden wird. Das wäre Aufgabe der kommenden Bundesregierung.

Von Erfahrungen mit sozialer Lehre aus Deutschland weiß ich nichts (wusste auch nicht, dass es in Deutschland eine soziale Lehre gibt). Die Schweiz begann 2001 mit der Sozialen Lehre. Das Projekt verlief so erfolgreich, dass bereits nach fünf Jahren das Experiment in staatliche Regelung übernommen wurde. Also genügend Hintergrund für Überlegungen in Österreich. Allerdings haben die Schweizer in ihrer gründlichen Art manche Bestimmungen, bei deren Umsetzung ich in Österreich die fehlende Klarheit und Konsequenz befürchte: Klare Bewilligungsverträge, Erteilung der Lehrbetriebsbewilligung durch externe Stellen (kantonale Berufsbildungsämter), umfassende Ausbildnerschulungen als Grundbedingung, Ausbildungsverbünde usw. Eine Lehre sieht vor, dass etwa 75 % am Arbeitsplatz gelernt werden. Die Berufsschulen ergänzen, unterstützen, ordnen. In diesem Verständnis sollte der Lehrling nicht als primär billige Arbeitskraft gesehen werden.
Eine Hürde in Österreich wird sein, welche Berufsgruppen mit welcher Kompetenz die Rolle der AusbildnerInnen übernehmen dürfen. PflegerInnen und Sozialarbeiter können nicht Ausbildner sein. Denn für mich käme eine Soziale Lehre nur in Frage, wenn sie in die Berufsgruppe "SozialbetreuerInnen" hineinführt.

Egon Blum hat nach eingehender Beschäftigung mit dem Thema erkannt, dass der Sozialbetreuungsberufe im Anspruch einer High-Tech-Lehre entspricht. Deshalb sollte die soziale Lehre, falls sie umgesetzt wird, vierjährig werden. Mein Vorschlag war: S.O.B.-Fachniveau als "Gesellenstatus" und nach einigen Jahren Praxis das S.O.B.-Diplomniveau als "Meisterabschluss".



zu diesem Thema:

[01.03.2007] Soziale Lehre

[02.07.2002] Berufsbild ?!

[01.05.2000] Das Gute daran ?