„National-Sozialismus in Österreich. In Leichter Sprache“ ist ein wichtiges Buch – für die historische Bildung, für die Inklusion und für die Erinnerungskultur. Es macht die Geschichte des Nationalsozialismus für viele Menschen erstmals zugänglich.
Kapitel 1: Nationalsozialismus
Das erste Kapitel erklärt, was der Nationalsozialismus war: eine politische Bewegung mit extrem menschenverachtenden Ideen. Es beschreibt die Entstehung dieser Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg, die Machtübernahme Hitlers in Deutschland 1933 und wie die Demokratie in eine Diktatur umgewandelt wurde. Im Mittelpunkt stehen das rassistische Weltbild der Nazis, ihr Antisemitismus und der Kult um den „Führer“. Auch die Rolle der Frauen und Hitlers persönliche Geschichte werden angeschnitten.
Kapitel 2: Der „Anschluss“
Dieses Kapitel beschreibt die Ereignisse rund um den sogenannten „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938. Es wird gezeigt, wie schnell sich Österreich in eine NS-Diktatur verwandelte, mit ersten Verhaftungen und Gewalttaten gegen jüdische Menschen. Zahlreiche Zeitzeugenzitate machen das Leid und die plötzliche Ausgrenzung greifbar. Das Kapitel thematisiert auch die inszenierte Volksabstimmung und das Novemberpogrom 1938.
Kapitel 3: Verfolgung und Vernichtung
Hier wird dargelegt, wie die Nationalsozialisten verschiedene Gruppen verfolgten: jüdische Menschen, Roma und Sinti, politische Gegner:innen, Zeugen Jehovas, sogenannte „Asoziale“, Homosexuelle und viele weitere. Die schrittweise Eskalation von Ausgrenzung über Entrechtung bis zur systematischen Ermordung wird erklärt. Besonders eindringlich sind die Beschreibungen von Konzentrationslagern, Zwangsarbeit, der „Endlösung“ sowie die Geschichte von Anne Frank und Adolf Eichmann.
Kapitel 4: Menschen mit Behinderungen
Ein zentrales Kapitel widmet sich den NS-Verbrechen an Menschen mit Behinderungen. Es erklärt das Mordprogramm „Aktion T4“, die Zwangssterilisationen und die pseudomedizinischen Begründungen für die Morde. Das Tötungszentrum Hartheim bei Linz wird als Beispiel ausführlich behandelt – von der Ankunft der Opfer bis zur Vertuschung der Todesursachen. Mit berührenden Biografien von Opfern wie Hermann Pesendorfer und Aloisia Leithenmüller wird das Unfassbare konkret gemacht.
Kapitel 5: Der Zweite Weltkrieg
In diesem Kapitel wird der Verlauf des Zweiten Weltkriegs dargestellt: vom deutschen Angriff auf Polen 1939 bis zur Kapitulation 1945. Die Kriegsziele der Nazis, der sogenannte „Vernichtungskrieg“, und die millionenfachen Opfer in den besetzten Ländern werden erklärt. Es wird auch auf die Rolle der Wehrmacht, der SS und die Beteiligung vieler „arischer“ Frauen eingegangen. Die Geschichte des Soldaten Sepp Gamsjäger zeigt ein Beispiel für individuelle Zweifel und Widerstand im Krieg.
Kapitel 6: Widerstand
Trotz Terror und Kontrolle leisteten einzelne Menschen und Gruppen Widerstand. Das Buch beschreibt verschiedene Formen des Widerstands – von Flugblättern über versteckte Radios bis zu bewaffnetem Partisanenkampf, etwa durch die Kärntner Sloweninnen. Frauen spielten eine große Rolle im Widerstand, was an Helena Kuchar beispielhaft gezeigt wird. Auch die Verfolgung von Widerstandskämpferinnen und die große Gefahr, entdeckt zu werden, werden thematisiert.
Kapitel 7: Befreiung
Die Alliierten befreiten Österreich 1945 vom Nationalsozialismus. Doch selbst in den letzten Kriegstagen mordeten die Nazis weiter – etwa in Form der Todesmärsche nach Mauthausen. Die Alliierten übernahmen die Verwaltung Österreichs und unterstützten den Wiederaufbau. Die Entnazifizierung verlief jedoch nur teilweise konsequent. Viele Täter blieben unbehelligt oder flüchteten ins Ausland. Das Kapitel beleuchtet die politischen Entwicklungen nach Kriegsende, etwa die Gründung neuer Parteien und den Staatsvertrag 1955.
Kapitel 8: Erinnerung
Im letzten Kapitel geht es um die Aufarbeitung und das Gedenken an die NS-Zeit. Österreich tat sich lange schwer mit der Anerkennung seiner Mitverantwortung. Erst spät wurde anerkannt, dass viele Österreicher:innen Täter oder Unterstützer waren. Es wird betont, wie wichtig Erinnerungskultur ist – gerade im Hinblick auf heutige rechtsextreme Tendenzen. Die Geschichte von Friedrich Zawrel, der als Kind überlebte und später NS-Verbrechen öffentlich machte, steht exemplarisch für den Kampf um Anerkennung und Gerechtigkeit.
Das Buch
Haymon Verlag
„National-Sozialismus in Österreich. In Leichter Sprache“
ISBN 978-3-7099-8252-5
144 Seiten, broschiert
Erscheinungsdatum: 16.06.2025
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 25.07.2025
Artikel-Kategorie(n): Menschen mit Lernschwierigkeiten, News
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