Nach sechs Jahren Pause fand am 6. Mai 2025 wieder eine Branchenkonferenz der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) statt. Das Motto der Tagung im MuseumsQuartier lautete: „Herausforderungen meistern – die Sozialwirtschaft stärken“.
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
Schon zur Eröffnung betonte SWÖ-Vorsitzender Erich Fenninger, wie stark Humanismus und soziale Werte weltweit unter Druck geraten. Die Sozialwirtschaft müsse sich daher klar und offensiv positionieren, um auch künftig als Interessenvertretung und Sozialpartnerin wahrgenommen zu werden.
Sozialministerin Korinna Schumann unterstrich in ihren Grußworten die enorme Bedeutung der Branche: Mit über 85.000 Beschäftigten in mehr als 600 Organisationen sei die SWÖ „für fast jeden Menschen in Österreich relevant“. Sie bezeichnete den Sozialstaat als „Sparbuch für jene, die wenig auf dem Konto haben“ und plädierte für gezielte Investitionen – auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten.
Wirtschaftlicher Input: Die Lage der Sozialwirtschaft
Der renommierte Ökonom Prof. Christoph Badelt skizzierte in seinem Vortrag eine ernüchternde wirtschaftliche Realität:
- Österreich befindet sich im dritten Rezessionsjahr.
- Die Inflation hat sich zwar stabilisiert, trifft jedoch weiterhin vor allem einkommensschwache Gruppen.
- Die Arbeitslosigkeit, insbesondere bei Langzeitarbeitslosen, steigt wieder.
- Gleichzeitig wächst die Staatsverschuldung kontinuierlich – 2026 soll sie 86,3 % des BIP erreichen.
Für die Sozialwirtschaft bedeuten diese Rahmenbedingungen wachsenden Druck bei gleichzeitig steigenden Bedarfen. Besonders problematisch: Leistungen werden oft nicht über Märkte, sondern durch öffentliche Mittel finanziert – und diese sind zunehmend begrenzt.
Badelt betonte, dass demografische Entwicklungen (Alterung, Pflegebedarf) zu einem massiven Anstieg der Sozialausgaben führen werden. Ein langfristiges Defizit von 7 % des BIP sei nicht tragbar – es brauche mutige Reformen, auch unbequeme wie eine Diskussion über Eigenleistungen im Pflegebereich.
Politischer Input: Die Rolle der Sozialwirtschaft in der neuen Regierung
Politikberater Dr. Thomas Hofer analysierte die politische Lage und das Regierungsprogramm 2025–2029 mit sieben Thesen:
- Politik agiere zunehmend „reaktiv“ statt gestaltend.
- Emotionen („Emokratie“) verdrängten Fakten.
- Der „Freiheits-Frame“ dominiere – insbesondere durch rechte Parteien.
- Die politische Mitte biete kaum noch zukunftsweisende Visionen.
Im Regierungsprogramm ortete Hofer wenig Substanz – viele Punkte seien noch „zu prüfen“ statt „umzusetzen“. Für die Sozialwirtschaft biete das zwar Spielraum zur Mitgestaltung, aber auch die Notwendigkeit, sich klarer zu positionieren.
Zentrale Empfehlung Hofers an die SWÖ:
Sie müsse stärker auftreten, als sichtbare Kraft mit strategisch klarer Rolle. Ist sie Sozialpartnerin, Arbeitgebervertretung oder Sprachrohr der Beschäftigten? Diese Positionierung sei entscheidend für politische Wirksamkeit.
Diskussion und Ausblick
In der Diskussion wurde deutlich: Die Sozialwirtschaft steht vor einer doppelten Herausforderung – steigenden Anforderungen bei begrenzten Mitteln. Umso wichtiger sei es, gemeinsam mit anderen Trägern und Partnerorganisationen geschlossen aufzutreten.
Die Branchenkonferenz 2025 war ein starkes Lebenszeichen der Sozialwirtschaft in einem politisch und wirtschaftlich herausfordernden Umfeld. Die kommenden Jahre werden entscheidend sein – für die Rolle der SWÖ, für die Arbeitsbedingungen in der Branche und für die soziale Versorgung in Österreich insgesamt.
Quelle
DAS WAR DIE BRANCHENKONFERENZ 2025
https://www.swoe.at/1059,,,2.html
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 08.08.2025
Artikel-Kategorie(n): Arbeitsbedingungen, News
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