Im Anschluss an die Fachtagung des Österreichischen Behindertenrates zum Barrierefreiheitsgesetz am 25.09.2025 fand im Veranstaltungszentrum Catamaran des ÖGB in Wien die Preisverleihung des Ideenwettbewerbs UNIKATE statt.
Wie die letzten Jahre auch wurden wieder in Österreich entwickelte innovative Technologien zum Ausbau der Inklusion von Menschen mit Behinderungen präsentiert und geehrt. Schüler:innen und Studierenden entwickeln dabei gemeinsam mit und für Menschen mit Behinderungen Hilfsmittel, die auf unterschiedliche Weisen das selbstbestimmte Leben verbessern sollen. Ob im Straßenverkehr, beim Lesen oder bei alltäglichen Handgriffen – die Innovationen versuchen bestehenden Barrieren mittels Technologie entgegenzuwirken.
Die Umsetzung der Projekte sowie die Herstellung der Prototypen werden von Forscher:innen der TU Wien unterstützt.
Projekt „NIMBUS“
Um Schwierigkeiten für Blinde und sehschwache Menschen zum Beispiel im Straßenverkehr auszugleichen entwickelte ein Team der HTL Donaustadt das Modell einer Drohne namens NIMBUS, die ähnlich wie ein Blindenhund funktionieren sollte. Die Idee dabei ist, dass Sensoren und Kameras, die auf der Drohne verbaut sind, die aufgenommenen Informationen an ein damit verbundenes Handy sendet. Dort werden diese mittels einer KI verarbeitet und hinsichtlich Gefahren analysiert. Je nach Ergebnis gibt das Handy dann eine entsprechende Warnung aus.
NIMBUS kann dabei auch als Navigationssystem für den Fußweg dienen. Es kann ein Zielort eigegeben werden und die Drohne leitet den:die Nutzer:in sicher dort hin.
Aufbewahrt wird NIMBUS in einem Koffer, der mit einem akustischen Öffnungs- und Schließungsmechanismus ausgestattet ist. Außerdem ist ein Ersatzakku dabei, um etwaigen Stromproblemen entgegenzuwirken. Diesbezüglich ist NIMBUS aber gut durchdacht: Da die KI nicht auf der Drohne direkt verbaut ist, zieht sie auch keinen Strom vom Akku. Der gesamte Strom, den die Analyse der von der Drohne aufgenommenen Informationen verbraucht, wurde also auf das Smartphone outgesourct.
Projekt „Boards without Barriers“
Ein Team der HTL Rennweg entwickelte barrierefreie Brettspiele, um Menschen mit Bewegungseinschränkungen das Mitspielen zu ermöglichen. Da oftmals das Greifen der Spielfiguren ein Problem darstellt, erarbeiteten die Schüler ein Spielbrett, welches mittels eines Eingabegeräts mit speziell konstruierten Tasten gesteuert wird. Daraufhin verschiebt ein Elektromagnet die Figuren zur gewünschten Stelle. Der Prototyp wurde zur Nutzung für ein Schachbrett angefertigt. Es ist jedoch geplant, dass durch simplen Austausch von Teilen auch andere Brettspiele damit gespielt werden können.
Die Motivation für die Entwicklung dieser Brettspiellösung erhielt die Gruppe durch einen Mitschüler, dessen Vater mit Multipler Sklerose im Pflegeheim lebt und stark bewegungseingeschränkt ist.
Das Projekt wurde als Diplomarbeit entwickelt und war bereits bei der Ars Electronica in Linz zu sehen. Das Team setzt auf eine künftige Weiterentwicklung.
Projekt „Cobot“
Ein Student der UNI Innsbruck präsentierte den Assistenzroboterarm „Cobot“. Dieser solle Handgriffe im Alltag erleichtern: Die Ursprungsidee bezog sich vor allem auf das Schminken am Morgen. Dabei sollen Schminkutensilien vom Tisch näher zum Gesicht gebracht werden, um sie dann zu verwenden. Es geht also darum, einzelne spezielle Handgriffe an bestimmten Orten durchzuführen. Der Roboterarm, wird mithilfe des Handys programmiert und gesteuert. Das kann per Handeingabe oder per Spracheingabe gemacht werden. Bei der Entwicklung stand vor allem die Reproduzierbarkeit im Mittelpunkt. Aus diesem Grund sind sowohl die Codes als auch die Anleitung zum selbst Nachbauen öffentlich zugänglich.
Projekt „Read me“ – Das innovative Lesegerät für alle
YouTube-Video [1:14:32 – 1:21:35]
(Wegen technischer Probleme funktioniert der Ton zur Beginn des Beitrags bis 1:17:33 nicht.)
Um Schwierigkeiten beim Lesen entgegenzutreten, entwickelte ein Team der HTL Rennweg im Rahmen der Diplomarbeit das Projekt „Read me“. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das auf einen Text gestellt wird, woraufhin dieser größer am installierten Bildschirm angezeigt wird. Gleichzeitig wird der Text akustisch vorgelesen. Man kann also mitlesen und hören.
Bei der Präsentation wird auch auf Verbesserungsmöglichkeiten hingewiesen. Der Prototyp kann durch effektiveres Design noch kleiner und handlicher werden. Des Weiteren wurde betont, dass auch hinsichtlich der Texterkennung Optimierungen möglich sind, so könnten etwa durch die Verwendung eines neuralen Netzes, dass mit jeder Verwendung dazulernt, bessere Leseergebnisse entstehen. All diese Optimierungsideen zeugen jedoch nicht von einem weniger bedeutsamen Gerät, sondern eher von einer optimistischen Innovationskraft, die in die Zukunft von „Read me“ blickt.
Projekt „Goalfinder“
YouTube-Video [1:22:57 – 1:34:22]
Das Team der HTL Leonding präsentierte „Goalfinder“, ein Assistenzsystem für sehbeeinträchtige Personen beim Basketballspielen. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das am Basketballkorb angebracht wird, und welches im Sekundentakt einen Piepston abspielt. Dies soll Menschen mit Sehbeeinträchtigungen ermöglichen, den Korb auf akustischem Weg zu finden. Außerdem ertönt je nach Treffer beziehungsweise Fehlwurf ein anderer Sound. Weiters wurde auch ein LED-Streifen verbaut, der als weitere Hilfestellung dient.
Zur Steuerung von Goalfinder wurde eine barrierefreie App programmiert.
Projekt „Special Bond“
YouTube-Video [1:34:29 – 1:39:10]
Zu guter Letzt präsentierte Paul Panek von der TU Wien das Projekt „Special Bond“ eines Teams der HTL Rennweg, das leider nicht bei der Preisverleihung anwesend sein konnte.
Dabei handelt es sich um eine App, die die Kommunikation zwischen Eltern und Kindergartenpädagog:innen unterstützen sollte. Konkret geht es um folgende Situation, die Paul Panek skizziert: Das Kind geht in einen Förderkindergarten und kann sich nur schwer ausdrücken. Nachdem die Eltern es abgeholt haben, fragen sie sich, ob es denn bereits gegessen, getrunken, Medikamente genommen usw. hat. Hier kommt Special Bond ins Spiel. Formularartig können damit die Kindergartenpädagog:innen ebendiese Fragen im Vorfeld beantworten, wodurch die Eltern alle Informationen über den Tag ihres Kindes haben.
Technik macht Inklusion
Bereits seit mehreren Jahren in Folge zeigen der UNIKATE Ideenwettbewerb, und vor allem die dabei entstandenen Projekte, wie Inklusion durch Innovation im Bereich Technik funktionieren kann. In Zusammenarbeit mit Betroffenen werden Probleme ausgearbeitet, erforscht und gelöst. Die dabei entwickelten Geräte und Programme helfen aufgrund der gezielten Entwicklung echten Menschen in alltäglichen Situationen, ein selbstbestimmteres Leben zu führen.
Das Team Behindertenarbeit.at gratuliert den Gewinner:innen des UNIKATE Ideenwettbewerbs 2025!
Quellen:
https://www.behindertenrat.at/projekte/unikate-ideenwettbewerb/unikate-preisverleihung-2025-programm/ [Zuletzt besucht: 16.10.2025, 11:35]
https://www.youtube.com/watch?v=S_RoZb_0RRo&t=5044s [Zuletzt besucht: 16.10.2025, 11:50]
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 20.10.2025
Artikel-Kategorie(n): Hilfsmittel und Therapien, News
Permalink: [Kurzlink]

