Die erste Verhandlungsrunde für die rund 130.000 Beschäftigten im privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich ist am Dienstag ohne Ergebnis zu Ende gegangen. Nach Angaben von GPA und vida hätten die Arbeitgeber angekündigt, die Inflation nicht abgelten zu wollen, ein Schritt, der von den Gewerkschaften scharf kritisiert wird.
Kritik der Gewerkschaften
„Die Arbeitgeber haben durch ihre Ankündigung, die Inflation nicht abgelten zu wollen, zum Ausdruck gebracht, wie wenig ihnen die Arbeit von Pflegerinnen, Elementarpädagoginnen oder auch Behindertenbetreuerinnen wert ist.“, erklärte Eva Scherz, Chefverhandlerin der Gewerkschaft GPA.
Scherz zeigte sich zudem irritiert darüber, dass seitens der Arbeitgeber bereits vor Beginn der Verhandlungen eine Einladung zu einer Pressekonferenz für zwei Tage später verschickt wurde. Dies zeige, dass heute kein Interesse an einem fairen Abschluss bestand, und: „Die Beschäftigten lassen sich nicht auf der Nase herumtanzen.“
Auch Michaela Guglberger, Verhandlerin der Gewerkschaft vida, kritisierte die Haltung der Arbeitgeber: „Wir lassen uns von den Arbeitgebern nicht eine Schauergeschichte über die Branche auftischen. Lohnverzicht bringt keine Arbeitsplatzgarantie. Tausende Jobs in der Sozialwirtschaft sind ausgeschrieben, Beschäftigte der Branche müssen keine Angst vor Arbeitslosigkeit haben.“
Angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels betonten beide Gewerkschafterinnen die Notwendigkeit, die Attraktivität der Branche zu stärken.
Gewerkschaften fordern +4 Prozent
Bereits am 1. Oktober hatten GPA und vida ihre Forderungen an die Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) übergeben. Im Mittelpunkt stehen:
- +4 % Erhöhung der Gehälter
- Verbesserungen bei Arbeitszeit und Arbeitsbedingungen
Die Gewerkschaften argumentieren, die Sozialwirtschaft sei nicht von einer wirtschaftlichen Krise betroffen: Die Nachfrage nach sozialen Dienstleistungen steige weiter, und qualifiziertes Personal werde dringend gesucht. „Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich eine faire Lohn- und Gehaltserhöhung verdient“, so Scherz.
Arbeitgebervertreter weisen auf schwierige budgetäre Lage bei den Geldgebern hin
Derzeit sollen lt. SWÖ in allen Bundesländern drastische Kürzungen vorbereitet oder bereits umgesetzt. Dies würde das Fortbestehen sozialer Einrichtungen und Projekte gefährden, z.B.:
- Steiermark:
Förderungen für Sozialarbeit, Aidshilfe, Streetwork, Kinderbüro und Integrationsprojekte wurden kurzfristig gestrichen. Mehrere Träger stehen vor dem Aus, zahlreiche Kündigungen laufen bereits. - Kärnten:
Das Budget wird um 9 % gekürzt. - Salzburg:
Pflegeleistungen werden reduziert, Seniorenheime sind unterfinanziert, einige stehen vor der Schließung. Die Landesregierung denkt eine Null-Lohnrunde für 2026 an. - Wien:
Kürzungen von rund 500 Mio. Euro treffen Betreuungsangebote, mobile Dienste und Assistenzleistungen. Projekte werden gestoppt, Investitionen eingefroren, neue Förderungen fehlen bislang.
SWÖ-Vorsitzender Erich Fenninger: „Unsere Stärke liegt in der Zusammenarbeit. Die Sozialwirtschaft und die Gewerkschaften kämpfen gemeinsam dafür, dass soziale Arbeit in Österreich Zukunft hat – mit sicheren Jobs, guten Arbeitsbedingungen und einer funktionierenden Versorgung für alle Generationen.“
Nächster Verhandlungstermin im November
Die nächste Verhandlungsrunde zwischen GPA, vida und der SWÖ ist für den Do, 13. November 2025 angesetzt. Bis dahin wollen die Gewerkschaften ihre Mitglieder über die weiteren Schritte informieren. Notfalls, so betonen sie, sei man auch auf Kampfmaßnahmen vorbereitet.
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 21.10.2025
Artikel-Kategorie(n): Arbeitsbedingungen, News
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