„Eine Stadt für alle“ – mit diesen Worten beschreibt Stadtrat Peter Hacker 2022 die Ziele der Strategie „Inklusives Wien 2030“. Die Hauptstadt solle dabei in unterschiedlichen Bereichen Inklusion lokal umsetzen. Ein zentraler Aspekt ist dabei der Tourismus, das neue Aktionsprogramm „Barrierefreiheit“ des WienTourismus will in dieser Hinsicht Verbesserungen erarbeiten.
Barrierefreiheit sei, so die Stadt Wien, nicht nur als gesellschaftlich, sondern auch als wirtschaftlich relevant zu betrachten. Sie „steigert die Gästezufriedenheit, verbessert das Image von Betrieben und erhöht die Angebotsqualität für Besucher:innen und Bewohner:innen zugleich“, wird in einer Presseaussendung vom 30.10.2025 hervorgehoben. Da die Anzahl der Menschen mit Behinderungen in Europa, die sich derzeit auf rund 100 Millionen belaufen, tendenziell steigt, sei es nur sinnvoll, diesen potenziellen Tourist:innen auch in Wien barrierefreie Bewegung zu ermöglichen.
Barrierefreiheit als strategischer Hebel
Barbara Novak, Stadträtin für Finanzen, Wirtschaft, Arbeit, Internationales und Digitales betont dazu, dass Barrierefreiheit ist in Wien kein Selbstzweck sei, sondern „ein strategischer Hebel für nachhaltigen Qualitätstourismus“. Es gilt also, den Tourismusstandort Wien zu stärken. Die Wiener Infrastruktur wird dadurch nicht nur für Tourist:innen, sondern auch für die in Wien lebenden Menschen verbessert.
Norbert Kettner, Geschäftsführer des WienTourismus, bekräftigt den Beitrag des Aktionsprogramms Barrierefreiheit: „Indem wir auf Barrierefreiheit setzen, wollen wir nicht nur eine wachsende Zielgruppe ansprechen, sondern auch im Rahmen von Wiens touristischer Strategie einen Beitrag zu den Zielen der Stadt leisten, wie sie etwa in der Strategie ‚Inklusives Wien 2030‘ formuliert werden. Mit dem Aktionsprogramm Barrierefreiheit begleitet der WienTourismus die Branche aktiv auf dem Weg zu mehr Inklusion – in enger Zusammenarbeit mit Expert:innen, Betroffenen und Wiens Visitor Economy. Immer mehr Besucher:innen mit speziellen Bedürfnissen wenden sich an unser Gästeservice; Barrierefreiheit ist damit nicht nur ein Gebot der Stunde, sondern auch ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor.“
Was wurde umgesetzt?
– Sensibilisierungstraining
Bis dato wurden einige der Probleme bezüglich Barrierefreiheit in Wien in Angriff genommen. WienTourismus bietet beispielsweise gemeinsam mit der Wirtschaftskammer Wien, der Stadt Wien MA 23 und myAbility kostenlose Sensibilisierungstrainings für Betriebe der Visitor Economy abgehalten. Vom Umgang mit Gästen mit Behinderung über inklusives Wording bis hin zum Marktpotenzial der Zielgruppe – die teilnehmenden Direktor:innen wie Mitarbeiter:innen aus Hotellerie, Museen und Kulturinstitutionen werden in unterschiedlichen Aspekten des barrierefreien Tourismus praxisnahe geschult. Norbert Kettner betont: „Unser Ziel ist, Berührungsängste abzubauen und ein neues Bewusstsein für Inklusion zu schaffen.“
– Gebärdensprache und Social Media
In enger Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Verband der Dolmetscher:innen und Übersetzer:innen hat WienTourismus außerdem drei neue Gebärdensprachevideos produzieren lassen. Diese sind sowohl in Österreichischer als auch in Deutscher und Internationaler Gebärdensprache abrufbar. Außerdem wurde zusätzlich zu den Gebärdensprachevideos ein Social-Media-Format produziert, das Barrierefreiheit sicht- und spürbar machen soll, wie Kettner erklärt. Dabei erkundet der Rollstuhltennisspieler Nico Langmann Wien und zeigt Barrieren und Barrierefreiheit in Wien auf.
Tourismus optimieren
Das Aktionsprogramm von WienTourismus orientiert sich eng an der sogenannten Visitor Economy Strategie – Optimum Tourism. Diese stelle Lebensqualität und Nachhaltigkeit konsequent in den Mittelpunkt und richte sich dabei an den Leitlinien der Welttourismusorganisation aus, heißt es in der Presseaussendung. „Wiens Visitor Economy erhält damit einen klaren Kompass, der als Grundlage für die strategischen Aktivitäten des WienTourismus dient“, unterstreicht Kettner.
Im sogenannten Sustainable Tourism Observatory finden sich demnach zu unterschiedlichen, als wichtig erachteten Aspekten des Tourismus relevante Daten: Wie steht es mit dem Arbeitsmarkt? Welche wirtschaftlichen Effekte hat Tourismus? Wie wird Mobilität betrachtet? Wie sieht es mit Barrierefreiheit aus?
In der Presseaussendung wird hinzugefügt: In der Stadt Wien sind…
100% der U-Bahnstationen barrierefrei begehbar (ausgenommen baulich bedingte Einschränkungen)
95 % der Straßenbahn- und Bushaltestellen barrierefrei zugänglich
80% der Ampeln mit Akustikkennung für Menschen mit Sehbehinderung ausgestattet
Außerdem ist seit 1991: Barrierefreies Planen und Bauen gesetzlich verankert und 2026 wird Wien Gastgeberin der National Special Olympics.
Fazit der Redaktion
In Bezug auf das Sustainable Tourism Observatory ist rasch ersichtlich, dass die Datenlage im Vergleich zu den anderen Bereich sehr dürftig ist: Es findet sich eine Grafik, die die Anzahl der Ampeln mit und ohne Akkustikkennung prozentuell darstellt, sowie eine Grafik, in der die „Anzahl der Betriebe, die über Mitarbeiter verfügen, die im Umgang mit Menschen mit Behinderung geschult sind“ wiedergegeben wird. Letzterer mangelt es jedoch an Daten, sie ist komplett leer. Es wird auf das Ziel, eine Datengrundlage zu schaffen, verwiesen.
Mit der Strategie „Inklusives Wien 2030“ setzt sich die Stadt Wien also verschiedene Ziele zur Verbesserung der Barrierefreiheit auf mehreren Ebenen. Bis dato wurden mehrere Initiativen umgesetzt, es gibt sichtlich Verbesserungen, und das ist gut. Nichtsdestotrotz bleibt abzuwarten: Die Datengrundlage für Statistiken in unterschiedlichen Kontexten des Behindertenbereichs ist immer noch verschwindend gering.
Es ist schön und gut Verbesserungen in der Barrierefreiheit und im Behindertenbereich mit Blick auf wirtschaftlichem Auftrieb umzusetzen. Nichtsdestoweniger muss sie als mehr als das betrachtet, und auch in diesem Sinn realisiert werden. Barrierefreiheit muss mehr sein als ein „strategischer Hebel“ und sollte eventuell einem Selbstzweck näherkommen. Vor allem dann, wenn man die UN-Behindertenrechtskonvention, dabei insbesondere Artikel 9, als gültig und sinnvoll erachtet.
Quellen
Stadt Wien – Kommunikation und Medien (KOM) via OTS.at | 30.10.2025
Wien setzt neue Maßstäbe: Barrierefreier Tourismus als Standortvorteil
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20251030_OTS0064/
Sustainable Tourism Observatory: Barrierefreiheit
https://b2b.wien.info/de/statistik/sustainable-tourism-observatory/barrierefreiheit-849242
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 06.11.2025
Artikel-Kategorie(n): News, Sport und Freizeitaktivitäten
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