Das Forschungsprojekt „Wie kann Inklusion gelingen? – Brustkrebsvorsorge für Frauen mit intellektuellen Beeinträchtigungen in Österreich“ der Universität Wien wurde nun abgeschlossen. Die Ergebnisse werden hier zusammengefasst.
Frauen mit IB sind von Brustkrebs ebenso betroffen wie andere Frauen, nehmen aber deutlich seltener an Früherkennungsprogrammen teil, mit der Folge später Diagnosen, schlechterer Prognosen und höherer Sterblichkeit. Bisher fehlten in Österreich Daten dazu, warum das so ist und wie eine gerechte Vorsorge aussehen müsste.
Das Projektteam rund um Elisabeth Zeilinger befragte Frauen mit IB, deren Unterstützer:innen und Leitungskräfte von Wohneinrichtungen in Interviews, Fokusgruppen und Online-Erhebungen. Die Ergebnisse zeigen: Gesundheit und Vorsorge sind den Frauen wichtig, sie wollen grundsätzlich an Brustkrebsvorsorge teilnehmen, wenn sie passende Unterstützung, Zeit und verständliche Informationen erhalten. Gleichzeitig treffen sie auf zahlreiche Barrieren: fehlende oder unverständliche Einladungen, wenig Zeit im Untersuchungsablauf, mangelnde Barrierefreiheit, unklare Zuständigkeiten in Einrichtungen und Unsicherheiten oder Ängste der Frauen selbst.
Herausforderungen bei der Brustkrebs-Vorsorge
Im Brustkrebsvorsorgeprogramm selbst, im Gesundheitssystem, im Unterstützungssystem sowie in den individuellen Voraussetzungen der Frauen gibt es Barrieren. Erschwerend wirken etwa organisatorischer Aufwand, ungeschultes medizinisches Personal und fehlende inklusive Untersuchungsmodelle. Förderlich sind dagegen leicht verständliche Materialien, geschultes und zugewandtes Personal, inklusive Kliniken, personenzentrierte Zugänge, klare Verantwortlichkeiten in Wohnangeboten sowie ein offener Umgang mit Sexualität, Körper und Gesundheit.
Inklusive Gesundheitsziele
Aus den Ergebnissen leitet das Projekt einen klaren Handlungsauftrag ab: In nationale Vorsorgeprogramme müssen inklusive Gesundheitsziele aufgenommen und rechtliche Zuständigkeiten – etwa in Wohneinrichtungen und im Erwachsenenvertretungsrecht – klar geregelt werden. Notwendig sind außerdem Schulungen für Ärzt:innen, Radiolog:innen und Pflegepersonal, verpflichtende Module zu inklusiver Kommunikation in der Ausbildung, ausreichend Zeitbudgets für Untersuchungen, barrierefreie Informationsmaterialien in Leichter Sprache sowie eine stärkere Einbindung von Frauen mit IB in die Gestaltung von Angeboten.
Die Forschenden betonen, dass Gesundheitsgerechtigkeit mehr braucht als ein „offenes“ System: Es muss aktiv einschließen. Frauen mit intellektuellen Beeinträchtigungen dürfen im Brustkrebs-Früherkennungsprogramm nicht länger strukturell benachteiligt werden. Inklusive Vorsorge ist eine gemeinsame Aufgabe von Politik, Praxis, Forschung und Gesellschaft, mit dem Ziel, dass auch Frauen mit IB selbstbestimmt über ihre Gesundheit entscheiden und von wirksamer Brustkrebsvorsorge profitieren können.
Downloads
Forschungsergebnisse zur inklusiven Brustkrebsvorsorge bei Frauen mit IB (PDF)
Info-Broschüre zu Brust-Krebs und Brust-Krebs-Vorsorge in Leichter Sprache (PDF)
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 23.11.2025
Artikel-Kategorie(n): Hilfsmittel und Therapien, News
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