Ernst Spiessberger von Zitronenwasser FILM hat am 2. Dezember 2025 den Österreichischen Inklusionspreis für den Bereich Medien & Kommunikation erhalten. Anlässlich dieser Auszeichnung hat Behindertenarbeit.at mit dem Preisträger gesprochen.
Behindertenarbeit.at: Was bedeutet der Österreichische Inklusionspreis für Sie persönlich und für die mitarbeitenden Filmschaffenden mit Behinderungen?
Ernst Spiessberger: Der Inklusionspreis bedeutet für mich persönlich vor allem Wertschätzung für meine Arbeit der vergangenen Jahre – und zugleich ist er eine Auszeichnung für all jene Menschen, mit denen ich gemeinsam Projekte realisieren durfte.
Er zeigt, dass die kreative Art des Zusammenarbeitens von Zitronenwasser FILM auch nach außen hin wahrgenommen und honoriert wird. Gleichzeitig ist der Preis ein Ansporn, weiterhin mutige Geschichten zu erzählen.
Was sind wichtigsten Voraussetzungen, um inklusive Medienarbeit erfolgreich durchzuführen?
Zu den wichtigsten Voraussetzungen für erfolgreiche inklusive Medienarbeit zählen vor allem zugängliche Ausbildungswege und eine bewusste Öffnung der Branche. Menschen mit Behinderungen brauchen die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten in allen Bereichen des Filmemachens zu entwickeln – vom technischen Handwerk bis zu kreativen und organisatorischen Aufgaben.
Ebenso entscheidend sind barrierefreie Arbeitsstrukturen und ein Umfeld, das Zeit, Geduld und die Bereitschaft für neue Zugänge mitbringt. Nicht zuletzt braucht es langfristige Perspektiven: geförderte Arbeitsplätze und Produktionsbedingungen, die inklusives Arbeiten nicht nur ermöglichen, sondern aktiv fördern.
Was sind die Schwierigkeiten und Hürden für inklusive Medienarbeit?
Die Hürden für inklusive Medienarbeit liegen in sehr unterschiedlichen Bereichen. Ein zentraler Punkt ist der Mangel an Ausbildungsplätzen für Menschen mit Behinderungen im Film- und Mediensektor. Ohne qualifizierte und zugängliche Ausbildung bleibt es schwierig, vielfältige Fähigkeiten und Talente nachhaltig in die Branche zu integrieren.
Zudem braucht es mehr Möglichkeiten, Menschen mit Behinderungen in allen Phasen der Umsetzung von Film- und Medieninhalten einzubinden – also nicht nur vor der Kamera, wo Inklusion in vielen Fällen bereits gut funktioniert, sondern auch hinter der Kamera. Bereiche wie Kamera, Ton, Schnitt, Regieassistenz oder Produktionsabläufe sind nach wie vor deutlich schwerer zu besetzen.
Es gibt einzelne Personen mit großem Interesse und guten Zugängen zu diesen Tätigkeiten, doch insgesamt braucht es mehr Ausbildungswege, mehr Barrierefreiheit und mehr bewusste Öffnung der Branche, damit ein inklusives Arbeiten selbstverständlich werden kann.

Gruppenfoto Österreichischer Inklusionspreis 2025 | Foto © Österreichische Lotterien
Kann die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung Inklusion insgesamt voranbringen?
Ja, die Zusammenarbeit von Menschen mit und ohne Behinderung kann Inklusion auf jeden Fall voranbringen. Gemeinsames Arbeiten schafft Begegnung, Verständnis und Vertrauen – und ermöglicht neue Formen des Miteinanders.
In der Praxis zeigt sich oft, dass Barrieren weniger mit Behinderungen zu tun haben, sondern mit fehlenden Erfahrungen oder Unsicherheiten. Wenn Menschen jedoch offen sind, Interesse zeigen und bereit sind, voneinander zu lernen, kann Zusammenarbeit sehr gut funktionieren. Solche Erfahrungen verändern Blickwinkel und tragen dazu bei, dass Inklusion in der Gesellschaft als etwas Natürliches wahrgenommen wird.
Gibt es Visionen und Ziele für die Weiterentwicklung von „Zitronenwasser FILM“?
Mit der Bekanntgabe des Inklusionspreises habe ich die vergangenen Jahre noch einmal eine Rückschau gehalten – natürlich auch mit einem selbstkritischen Blick. Dabei sind mir viele Projekte wieder ins Gedächtnis gekommen, die mich besonders geprägt haben und die gezeigt haben, wie viel Potenzial in inklusiven Medienarbeiten steckt.
In den letzten Tagen habe ich intensiv über die Zukunft von „Zitronenwasser FILM“ nachgedacht, auch um gut vorbereitet zu sein, falls Fragen zu neuen inklusiven Projekten kommen. Dabei sind mir zahlreiche Ideen eingefallen, die ich gerne weiterentwickeln und umsetzen möchte – von neuen filmischen Projekten bis hin zu künstlerischen Vorhaben, die Menschen mit Behinderungen noch stärker in kreative und technische Arbeitsprozesse einbinden.
„Zitronenwasser FILM“ wird sich sicher dahingehend weiterentwickeln, noch inklusiver, mutiger und offener für Neues zu werden.
Mehr Infos
Zitronenwasser FILM
Die FILMPRODUKTION für soziale und kulturelle Unternehmen.
www.zitronenwasser.com
Der Österreichische Inklusionspreis
www.inklusionspreis.at
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 10.12.2025
Artikel-Kategorie(n): Gleichstellung und Antidiskriminierung, News
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