Die Verhandlungen zum Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich (SWÖ) für rund 130.000 Beschäftigte im privaten Gesundheits-, Pflege- und Sozialbereich sind im 4. Anlauf am 11.12.2025 in der Nacht abermals ohne Einigung zu Ende gegangen.
Nach Angaben der Gewerkschaften GPA und vida legten die Arbeitgeber nach rund 15 Stunden Verhandlungsdauer ein Angebot für eine zweijährige Gehaltsregelung vor, das aus Sicht der Arbeitnehmervertretungen weiterhin nicht ausreichend ist.
Arbeitgeberangebot im Überblick
Das vorgelegte Angebot sieht folgende Erhöhungen vor:
Ab 1. April 2026
- KV-Löhne und -Gehälter: +2,3 %
(entspricht rechnerisch +1,72 % für das Gesamtjahr 2026, da für Jänner bis März keine Erhöhung vorgesehen ist) - IST-Löhne und -Gehälter: +2 %
Ab 1. Jänner 2027
- KV-Löhne und -Gehälter: +1,7 %
- IST-Löhne und -Gehälter: +1,5 %
Nach Einschätzung der Gewerkschaften bedeutet dies keine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Angebot der vorherigen Verhandlungsrunde, weshalb es keine Zustimmung gab.
Gewerkschaften kündigen Ausweitung der Streiks an
Da das Angebot als unzureichend bewertet wird, kündigten GPA und vida an, die bereits laufenden Arbeitskampfmaßnahmen auszuweiten. Die Streiks sollen räumlich und zeitlich verstärkt werden, mit einem Schwerpunkt zwischen 16. und 18. Dezember.
Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA: „Unsere Kolleginnen und Kollegen können sich von Ausreden nichts kaufen. Wir werden die Streiks jetzt ausweiten und den Druck weiter erhöhen. Die Belegschaften sind kampfbereit und werden der mangelnden Wertschätzung der Arbeitgeber entsprechend begegnen.“
Die Gewerkschaften verweisen dabei auf die anhaltende Teuerung, den Fachkräftemangel in der Sozialwirtschaft sowie auf die Bedeutung spürbarer Verbesserungen bei Einkommen und Arbeitsbedingungen, um die Versorgung langfristig sicherzustellen.
Michaela Guglberger, Verhandlerin für die Gewerkschaft vida: „Die Beschäftigten haben Rechnungen zu bezahlen und spüren die Teuerung voll im Geldbörsel. Das Angebot der Arbeitgeber ist für uns nicht annehmbar, deshalb antworten wir mit Maßnahmen in den Betrieben“.
SWÖ-Vorsitzender Erich Fenninger erklärt die verfahrene Situation aus Sicht der Arbeitgeber: „Die Beschäftigten leisten Außerordentliches und verdienen höchste Wertschätzung – wir wollen mehr ermöglichen, aber wir können es nicht, wenn die Fördergeber die notwendigen Mittel nicht bereitstellen. Wenn uns nicht mehr finanziert wird, stoßen wir an Grenzen, die wir allein nicht überschreiten können.“
Fazit: Keine Einigung – offene Fragen bleiben
Auch nach der vierten Verhandlungsrunde bleibt die zentrale Frage der finanziellen Rahmenbedingungen ungelöst, daher wird es voraussichtlich keinen Kollektivvertrag per 01.01.2026 geben.
Während Arbeitgeber auf angespannte Budgets und fehlende Planungssicherheit verweisen, sehen die Gewerkschaften die Verantwortung bei Politik und Finanzierungssystemen und setzen auf weiteren Druck in den Betrieben.
Ein weiterer Verhandlungstermin im Jänner soll noch vereinbart werden.
Quellen
Soziale Dienstleister Österreichs via OTS.at | 12.12.2025
SWÖ: Keine Einigung in 4. Verhandlungsrunde
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20251212_OTS0011/
ÖGB Österreichischer Gewerkschaftsbund via OTS.at | 12.12.2025
Kollektivvertrag Sozialwirtschaft: Streiks werden ausgeweitet
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20251212_OTS0003/
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 12.12.2025
Artikel-Kategorie(n): Arbeitsbedingungen, News
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