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Datum: 21.12.2025

Interview mit ÖZIV-Medienpreisträger Thomas Winkelmüller

31.12.2025

Der diesjährige ÖZIV-Medienpreis (Kategorie Print) ging an Thomas Winkelmüller. In seinem Artikel thematisiert der DATUM-Journalist die Herausforderungen, mit denen Familien mit Kindern im Autismus-Spektrum konfrontiert sind. “Das ist ein Problem, das über Einzelfälle hinausgeht“ und „uns letztlich alle betrifft“, so Winkelmüller im Gespräch.


Ende November wurde der ÖZIV-Medienpreis zum 19. Mal an herausragende Berichterstattung über Menschen mit Behinderungen vergeben. In der Kategorie Print überzeugte der Journalist Thomas Winkelmüller mit seinem Artikel „Im Spektrum, aus dem System“, der im Februar 2024 in der Fachzeitschrift DATUM veröffentlicht wurde. Die Jury lobte vor allem die umfassende Recherche und die konkreten Beispiele, mit denen der Autor die Problematik anschaulich und gut verständlich schildert.

Wir haben Thomas Winkelmüller in der DATUM-Redaktion in Wien getroffen und bei Kaffee und Weihnachtskeksen über die Recherche zu seinem Artikel, Rückmeldungen sowie persönliche Gedanken zum Thema gesprochen.

Originalartikel in der Fachzeitschrift DATUM | Foto © Alice Bauer

Irmgard Griess gab Anstoß zu Artikel: „Es gibt da ein riesen Problem“

Es ist der erste Artikel Winkelmüllers, der sich umfassend mit dem Schwerpunkt Autismus und Menschen mit Behinderungen auseinandersetzt. Zuvor recherchierte er einmalig mit einem Kollegen zum Thema Werkstätten, persönliche Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen gab es bis dahin keine.

Anstoß für die Autismus-Recherche gab ein Zusammentreffen mit der Juristin und ehemaligen Politikerin Irmgard Griess: “Der Schwerpunkt der Ausgabe Februar 2024 war die Beamtenschaft, dazu hab ich mich unter anderem mit Irmgard Griess getroffen und sie bei einem Kaffee gefragt, ob sie Ideen für ein weiteres wichtiges Thema hat, das man sich ansehen sollte. Und da meinte sie: Ja, es gibt ein riesen Problem, Kinder mit Autismus haben zu wenig Kindergartenplätze und keine Therapiemöglichkeiten, das nimmt ganz krasse Auswüchse an.“

„Leute, die sich damit beschäftigen, denen ist das Problem schon lange klar“

Einen Monat lang recherchierte Winkelmüller für seinen Artikel. Über das VKKJ, einem Autismus-Therapiezentrum in Wien, sowie Selbsthilfegruppen holte er erste Informationen ein. Er sprach mit ehemaligen Patient:innen, betroffenen Eltern und Fachpersonen. Rasch führte eine Geschichte zur anderen: „Wenn man die richtigen Personen anruft, wird man schnell fündig. Die Leute, die sich damit beschäftigen, denen ist schließlich schon lange klar, dass es ein großes Problem ist“, so Winkelmüller.

In den Gesprächen zeigte sich immer wieder dasselbe Bild: Kinder im Autismus-Spektrum haben es in Österreich schwer, einen Kindergartenplatz zu bekommen, ebenso mangelt es an Therapieplätzen. Die Konsequenzen: Eltern verlieren in Arbeitsplatz und müssen ihre Kinder zuhause betreuen. Aufgrund der langen Wartezeiten auf eine Therapie schließt sich das Zeitfenster, in dem wichtige Behandlungserfolge erzielt werden könnten.

Ein Teufelskreis mit weitreichenden Folgen: „Dieses Problem wirkt sich auf die Gesundheit der Kinder, aber auch auf die Arbeitsfähigkeit der Eltern aus, was wiederum dazu führt, dass diese angewiesen sind auf Sozialhilfen – und das betrifft uns letztlich alle.“

Kaum vorstellbar „was das für eine Belastung sein kann“

Winkelmüller besuchte mehrere betroffene Familien persönlich: „Ich habe einerseits versucht, möglichst anschauliche Fälle zu finden, und andererseits ging es mir auch darum, die Bandbreite von möglichen Schicksalen, die es gibt, abzudecken.“

Im Artikel werden zwei Familien erwähnt, die ein sehr unterschiedliches Einkommen, aber dennoch viel gemeinsam haben: „Der Autismus der Kinder hat die beiden zusammengebracht. Ich nehme an, dass viele Leute nicht verstehen, was das für eine Belastung sein kann, wenn man ein Kind mit Behinderung zuhause hat und nicht die Betreuung und Hilfe bekommt, die es benötigt“, so der Journalist über seine Eindrücke.

Besonders problematisch: Die wenigen Kindergartenplätze, die es für autistische Kinder gibt, werden tendenziell an arbeitende Eltern vergeben. „Wenn man also mal seinen Job verloren hat, weil man keinen geeigneten Therapieplatz bekommen hat, dann wird es noch schwerer.“

Artikel zeigt: „Problem geht über Einzelfälle hinaus“

Die persönlichen Einblicke zeigen deutlich die Größe des Problems auf: Im Artikel wird erwähnt, dass betroffene Eltern sogar bereit sind, bis nach Bosnien oder in die Türkei zu fliegen, um für Ihre Kinder Therapien in Anspruch zu nehmen, die sie in Österreich nicht erhalten. „Ich glaub, dadurch ist spürbar geworden, dass es nicht nur ein paar Leute betrifft, sondern dass es ein gröberes gesellschaftliches Problem ist.“

Für Winkelmüller lag eine besondere Herausforderung darin, „dass man versucht, eine Vermessung dieses Problems zu machen, das ganz klar vorherrscht, eben durch die geschilderten Schicksale. Aber das in Zahlen zu gießen und in einem größeren Ganzen in einen Kontext zu setzen, das war sicher das schwierigste.“

“Es gibt keine Zahlen, wie viele Kinder es mit Autismus gibt“

Eine zentrale Hürde bei der Aufarbeitung des Themas war der ein Mangel an Daten: „Es ist ein grundösterreichisches Problem, dass wir Angst vor Daten haben. Ganz viele Sachen werden einfach nicht erhoben. Man arbeitet mit Schätzungen, was dazu führt, dass belastbare Zahlen fehlen. Es gibt keine konkreten Zahlen, wie viele Kinder mit Autismus in Österreich leben.“

Winkelmüller greift diese Schätzungen in seinem Artikel auf und bringt anschaulich die Mängel im derzeitigen System auf den Punkt: Rund ein Prozent der Bevölkerung gilt als autistisch. Hochgerechnet bedeutet das, dass etwa 17.000 Kinder und Jugendliche in Österreich mit Autismus-Spektrum-Störung leben. „Allein in Favoriten leben rund 400 betroffene Kinder – bei nur einem Therapiezentrum mit 42 budgetierten Plätzen. Eine Rechnung, die nicht aufgehen kann“, so der Artikel im Wortlaut.

Gesellschaftliches Ziel „dass jeder die  Versorgung bekommt, die man benötigt“

Auf unsere Frage, ob es Rückmeldungen auf den Artikel gab, erzählt Winkelmüller von einer Familie, die sich rund ein Jahr nach Veröffentlichung auf den Artikel gemeldet hat. Aus diesem Kontakt entstand schließlich ein ORF-Beitrag über eine befreundete Journalistin. Allgemein hat sich Winkelmüller durch seine intensive Recherche im Bereich Autismus einen Namen gemacht: „Mittlerweile kommen diese Kontakte direkt zu mir“, so der Journalist.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema brachte Winkelmüller auch selbst viele neue Einsichten und Gedanken, wie er im Gespräch betont. „Am Ende des Tages betrifft es uns alle. Wir brauchen ein System, wo jeder in der Lage ist, die Versorgung zu bekommen, die man benötigt. Das müssen wir als Gesellschaft wollen, weil es für uns alle schichtweg besser ist. Von Inklusion, davon profitieren wir alle, denk ich – und zwar auf allen Ebenen“, so die Abschlussworte des ÖZIV-Preisträgers.

Team Behindertenarbeit.at bedankt sich herzlich für das persönliche Gespräch.


Weitere Infos:

ÖZIV via OTS | 20.11.2025
ÖZIV-Medienpreise an Thomas Winkelmüller (DATUM) und Constanze Ertl (ORF)
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20251120_OTS0199

DATUM-Artikel „Im Spektrum, aus dem System“ online unter:
https://datum.at/im-spektrum-aus-dem-system/


AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 22.12.2025
Artikel-Kategorie(n): Gesetze, Gleichstellung und Antidiskriminierung, News
Permalink: [Kurzlink]
Gesetze, Gleichstellung und Antidiskriminierung, News
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