Nach dem zweijährigen Abschluss des SWÖ-Kollektivvertrags für 2026+2027 sind die Reaktionen in den Medien und bei Arbeitnehmervertreter:innen sehr unterschiedlich, und nicht alle sind zufrieden mit dem erzielten Ergebnis.
Gehaltsplus niedriger als Inflation
Der neue Kollektivvertrag sieht vor, dass die Gehälter in der Sozialwirtschaft ab April 2026 um 2,6 % und ab Jänner 2027 um mindestens 2,3 % steigen. Zusätzliche Verbesserungen im Arbeitsrecht wurden vereinbart, etwa Rechte bei Mehrarbeit, erweiterte Pflegefreistellung für Eltern von Kindern mit Behinderung oder die Anerkennung von Vordienstzeiten.
In zahlreichen Medienberichten wird allerdings hervorgehoben, dass die Einkommenssteigerungen unter der Inflation liegen und damit real kaum Kaufkraft gewinnen.
Ein Artikel in der Kleinen Zeitung etwa titelt, dass „mit dem Abschluss nicht alle glücklich sind“, weil die Erhöhungen für viele Beschäftigte unzureichend erscheinen.
Die moderate Steigerung wird von vielen Kommentator:innen als harte Kompromisslösung interpretiert, speziell nach einer Phase hoher Teuerung und steigender Lebenshaltungskosten. Die Beschäftigten vermissen eine echte Wertschätzung ihrer Arbeit.
Kritik aus der Gewerkschaft und Öffentlichkeit
Auch Gewerkschaftsvertreter sind nicht glücklich mit dem Abschluss. In Medienzitaten wird deutlich, dass aus Sicht der GPA zwar Fortschritte im Rahmenrecht erzielt wurden, das Einkommen aber zu wenig berücksichtigt worden sei. Arbeitnehmervertreter argumentieren, dass ein höherer Prozentsatz zur Sicherung der Kaufkraft nötig gewesen wäre und dass der erzielte Abschluss lediglich das Minimum in der budgetär angespannten Situation darstelle.
Darüber hinaus zeigen einige Artikel, dass dieser Abschluss wenig Zufriedenheit in der Belegschaft erzeugt. Viele vertreten die Auffassung, dass mit mehr Mobilisierung, etwa durch längere Streiks, in den Verhandlungen ein besseres Ergebnis möglich gewesen wäre. Weiters betonen sie, dass Ergebnisse unter der Inflationsrate langfristig nicht tragbar seien, wenn Fachkräftemangel und gesellschaftliche Herausforderungen bestehen bleiben.
„Verhandlungsspielräume einschränkt“
In Medienberichten wird der Abschluss auch als Kompromiss in schwierigen finanziellen Rahmenbedingungen eingeordnet. Die Arbeitgeberseite hebt hervor, dass die Budgets vieler Träger durch Einsparungen von Bund, Ländern und Gemeinden stark unter Druck stehen, was die Verhandlungsspielräume einschränkt.
Dagegen argumentieren Gewerkschaften und Sozialexperten, dass gerade in Zeiten hoher Inflation und steigendem Fachkräftemangel gerechte Lohnentwicklung ein zentrales Instrument sei, um Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitsbereich zu halten und neue Kräfte zu gewinnen. Die moderate Steigerung stößt daher insbesondere bei jenen auf Kritik, die eine stärkere Anerkennung der Arbeit durch spürbare Einkommenszuwächse erwarten.
AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 04.02.2026
Artikel-Kategorie(n): Arbeitsbedingungen, News
Permalink: [Kurzlink]

