Mehrere Behindertenorganisationen haben in einem offenen Brief an Bildungsminister Christoph Wiederkehr Kritik am aktuellen Reformprozess zur inklusiven Bildung in Österreich geäußert. Hintergrund sind die Anfang April 2026 gestarteten Arbeitsgruppen zur Umsetzung von Maßnahmen im Bereich der inklusiven Bildung.
Positiv bewertet wird zunächst das öffentliche Bekenntnis des Bildungsministers zur inklusiven Bildung und zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention. Laut Behindertenorganisationen sei dies ein wichtiger Schritt, nachdem die Situation der inklusiven Bildung in Österreich seit Jahren kritisch gesehen werde.
Kritisiert wird jedoch der bisherige Reformprozess. Die Organisationen sehen sowohl organisatorische als auch inhaltliche Probleme:
- unzureichende Partizipationsmöglichkeiten
- mangelnde Barrierefreiheit bei Arbeitsgruppentreffen
- fehlende rechtliche Absicherung zentraler Maßnahmen
Kritik an geplanten Maßnahmen
Zwar wurden mehrere Reformvorhaben angekündigt, darunter ein Rechtsanspruch auf ein 11. und 12. Schuljahr für Schüler:innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf (SPF), eine Neukonzeption des SPF und Anpassungen in der Lehrer:innenausbildung. Nach Einschätzung der Organisationen reichen die bisherigen Entwürfe jedoch nicht aus, um inklusive Bildung nachhaltig zu stärken.
Die Behindertenorganisationen warnen weiters davor, dass bestehende Sonderstrukturen wieder verlängern werden könnten, anstatt inklusive Bildung im Regelschulsystem konsequent auszubauen. Helene Jarmer, Vizepräsidentin des Österreichischen Behindertenrats, betont: „Politische Bekenntnisse zur Inklusion müssen sich in konkreten, rechtsverbindlichen Regelungen niederschlagen.“ Entscheidend sei, dass die geplanten Maßnahmen tatsächlich zu mehr Teilhabe im allgemeinen Bildungssystem führen.
Forderung nach klarer Zielrichtung
Aus Sicht der Organisationen braucht es nun eine klare inhaltliche Ausrichtung der Reform mit verbindlichen rechtlichen Regelungen.
Mit dem offenen Brief wollen die Organisationen den Druck erhöhen, damit die angekündigten Reformen nicht bei allgemeinen Absichtserklärungen bleiben.
Inklusive Bildung als menschenrechtliche Verpflichtung
Die Diskussion zeigt erneut, dass inklusive Bildung in Österreich weiterhin ein zentrales behindertenpolitisches Thema bleibt. Die UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet Österreich dazu, ein inklusives Bildungssystem auf allen Ebenen sicherzustellen. Behindertenorganisationen sehen hier weiterhin deutlichen Handlungsbedarf.
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AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 10.05.2026
Artikel-Kategorie(n): News, Schulische Integration
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