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Datum: 10.05.2026

20 Jahre museum gugging: Ein exklusiver Rundgang durchs Museum

museum gugging: Nina Ansperger | Foto: Bauer, Behindertenarbeit.at

31.05.2026

Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums besuchte Team Behindertenarbeit das museum gugging. Nina Ansperger, künstlerische Leiterin des Museums, gab uns eine exklusive Führung mit spannenden Einblicken in die aktuelle Ausstellung, die Geschichte und Zukunftspläne des Museums.


Vor genau 20 Jahren, am 28. Juni 2006, wurde das museum gugging feierlich eröffnet. Heute hat sich das Museum einen festen Platz in der nationalen und internationalen Museumslandschaft gesichert und wird mit namhaften Künstlern wie August Walla, Johann Hauser oder Oswald Tschirtner in Verbindung gebracht. „Vieles hat sich seit den Anfängen verändert“, weiß Nina Ansperger, die uns mit einem Lächeln direkt beim Museumseingang begrüßt. Sie übernahm 2023 die künstlerische Leitung, war jedoch schon zuvor viele Jahre im museum gugging tätig.

Das 20-jährige Jubiläum ist derzeit im Museum allgegenwärtig. Überall an den Wänden liest man „20 jahre kunst“, wobei der Schriftzug teils übermalt wurde. „Das überschrieben Logo soll den Austausch symbolisieren“, erklärt Nina Ansperger. Anders als in anderen Museen können hier nämlich die Künstler:innen mit den Besucher:innen in direkten Kontakt treten. So trifft man mit etwas Glück die Künstler:innen beispielsweise im Museumshof oder auch in den Ausstellungen an.

museum gugging | Foto: Bauer, Behindertenarbeit.at

Gugginger Kunst: „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort“

In 20 Jahren hat sich viel getan. Die Anfänge der Gugginger Kunst reichen jedoch noch weiter in die Vergangenheit zurück. Alles begann in den späten 1950er Jahren, als der Psychiater Leo Navratil in seiner ehemaligen psychiatrischen Einrichtung Gugging bei Klosterneuburg Zeichentests mit seinen Patient:innen durchführte und dabei außergewöhnliche künstlerische Talente entdeckte.

In den 80er Jahren entstand schließlich das „Haus der Künstler“, das heuer sein 40-jähriges Bestehen feiert. Die vollbetreute Einrichtung dient den Künstler:innen bis heute als Wohn- und Arbeitsraum und steht in direktem Kontakt mit dem Museum.

Der Erfolg der Gugginger Kunst wurde nicht zuletzt von den Umbrüchen der damaligen Zeit mitbestimmt. „Man war auf der ‚Suche nach der verlorenen Kunst. Man wollte etwas Neues, man wollte Kunst, die anders ist“, erzählt Ansperger von den Anfängen. Die Gugginger Kunst stieß sofort auf reges Interesse. Bekannte Künstler wie André Heller und Arnulf Rainer waren von den Werken beeindruckt und trugen wesentlich zu deren Bekanntmachung bei. Die sogenannte „Art Brut“ wurde als neue Form der Kunst gefeiert – eigenständig, persönlich und fernab von Nachahmung und Perfektion.

Jubiläumsausstellung mit 20 Künstler:innen und 6 Themen

Die außergewöhnliche Geschichte der Gugginger Kunst wird aktuell in der Jubiläumsausstellung präsentiert. 20 ausgewählte Künstler:innen und 6 Themenbereiche führen durch die vergangenen zwei Jahrzehnte und zeigen neben Werken auch erstmals Fotos und Video-Aufnahmen von Ereignissen der Zeit.

Unter den Künstler:innen finden sich bekannte und unbekannte Namen, Shooting-Stars und Newcomer – eine Vielfalt, welche die 20 letzten Jahre eindrucksvoll widerspiegelt. Jeweils ein verstorbener und ein:e zeitgenössicher Künstler:in teilen sich einen Ausstellungsraum, eine Verbindung besteht meist hinsichtlich der Motive oder Themen. „Wir wollten keine chronologische Hängung machen. Ich finde es schön, dass die Künstler:innen in einen Dialog miteinander treten“, so die künstlerische Leiterin über das Konzept.

Die Jubiläumsausstellung bleibt über das gesamte Jahr bestehen, lediglich die Sonderausstellung unter dem Titel „guggkasten“ präsentiert alle drei Monate eine neue Idee. Derzeit zeigt der Künstler Tex Rubinowitz seine „Stickstoff“-Werke, im Juni wird dann die Ausstellung „Atelier ICH“ eröffnet, die Künstler:innen zum freien Schreiben einlädt. 

museum gugging | Foto: Bauer, Behindertenarbeit.at

„Wir sind nicht mehr Psychiatrie, wir sind jetzt Kunstmuseum“

Die Bemalung der Wände war ein zentrales Thema bei der Ausstellungsplanung. Zur Eröffnung des Museums im Jahr 2006 wählte der damalige Museumsdirektor Johann Feilacher nämlich den “White Cube”, also weiße Wände, wie sie in klassischen Museen Standard sind. Eine Entscheidung, die von damaligen Zeitungen kritisiert wurde, da Art Brut in der Regel mit dunkleren Wandfarben präsentiert wurde, um deren “Eigenständigkeit” zu betonen.

Für die aktuelle Ausstellung entschied man sich ganz bewusst für den „White Cube“, lediglich die Themenbereiche sind in Dunkelblau gehalten. „Diesmal gab es keine Kritik. Also 20 Jahre später ist es angekommen: Wir sind nicht Psychatrie, wir sind Kunstmuseum“, betont Ansperger.

Gugginger Kunst soll als Kunst wie jede andere wahrgenommen werden, ohne Zuschreibung von psychischer Krankheit oder Behinderung, das ist dem Museum sehr wichtig. Daher wird auch in der Kommunikation bewusst auf Kategorisierung verzichtet: „Es geht nicht um ein Label, es geht um die Kunst.“

Inklusive Museumsarbeit: „Manche Dinge sind einfach umzusetzen“

Einen besonderen Fokus legt das Museum seit einige Zeit auf Barrierefreiheit und Inklusion. „Uns ist inklusive Museumsarbeit ganz wichtig und das ist ein fortlaufender Prozess. Wenn Expert:innengruppen kommen, versuchen wir möglichst auf Vorschläge zu reagieren. Das ist natürlich auch ein finanzielles Thema, aber manchmal sind es ganz einfache Sachen, mit denen man viel verändern kann.“

So wurden kürzlich alle Glastüren mit kontrastreichen Buchstaben beklebt, ob diese sichtbarer zu machen. Bilder werden in unterschiedliche Höhen gehängt, um den unterschiedlichen Sehperspektiven, beispielsweise von Rollstuhlfahrer:innen, gerecht zu werden. Seit 2023 gibt es nur noch unterfahrbare Vitrinen und bei fast allen Sitzgelegenheiten befinden sich Abstützmöglichkeiten. Auch in der Vermittlung wird Inklusion verstärkt thematisiert. 

museum gugging | Foto: Bauer, Behindertenarbeit.at

Zukunft in Gugging: Multimediale Kunst, mehr Inklusion, mehr Frauen

Auf unsere Frage hinsichtlich Zukunftspläne antwortet Nina Ansperger: „Historisch bedingt waren Frauen in Gugging immer unterrepräsentiert (Anmerkung: die Einrichtung war anfangs nur für Männer zugelassen). Es ist mir daher ein großes Anliegen, mehr Frauen in Gugging zu zeigen, das möchte ich unbedingt fortsetzen.“

Eine weitere wichtige Veränderung betrifft die Kunst selbst. Die jungen Künstler:innen arbeiten nun auch verstärkt mit dem Computer, experimentieren mit digitaler Kunst und Musik. „Wir wollen mit den jungen Künstler:innen an neuen Themen arbeiten und diese auch im Museum präsentieren. Es entsteht viel neues, aber es wird noch etwas dauern“, so Ansperger über neue künstlerische Zugänge und Ideen.

Auch die inklusive Museumsarbeit soll in Zukunft verstärkt werden und der Fokus auf Kunst ohne weitere Zuschreibungen. „Wir merken, dass sich bereits viel verändert hat und noch weiter ändern wird. Es geht um Kunst und nicht um Psychatrie. Das wird auch von Besucher:innen verstärkt so wahrgenommen. Und das ist schön zu sehen.“

Team Behindertenarbeit.at bedankt sich für die ausführliche und informative Führung durch die Jubiläumsausstellung – große Empfehlung!


 Quellen:

20 Jahre museum gugging:
https://www.museumgugging.at/de/ausstellungen/20jahrekunst


AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 11.05.2026
Artikel-Kategorie(n): Allgemein, Gleichstellung und Antidiskriminierung, News
Permalink: [Kurzlink]
Allgemein, Gleichstellung und Antidiskriminierung, News
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