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Datum: 19.09.2012

Caritas: Risiko Pflegebedürftigkeit muss solidarisch abgesichert werden

30.09.2012

„Pflegefragen gehören jetzt nach der Sommerpause zu jenen Themen, die ganz oben auf die Liste der heimischen Politik müssen“, fordert Caritas-Präsident Franz Küberl bei einem Pressegespräch zum Thema „Pflege – quo vadis?“ in Wien.

Österreich brauche ein zukunftsfähiges, nachhaltiges und bedürfnisgerechtes Pflegesystem, das auf solidarischen Beinen stehe, ist Küberl überzeugt: „Pflegebedürftigkeit ist ein Risiko, das alle Menschen in diesem Land treffen kann. Betreuung und Pflege müssen daher auch solidarisch abgesichert werden.“

Pflegebereich: „gleiche Regeln für alle“

Um den steigenden Finanzierungsbedarf zu decken – das WIFO geht von einem Anstieg der Gesamtkosten von geschätzten 3,9 Milliarden Euro (2010) auf mindestens 5,4 Milliarden Euro im Jahr 2030 aus – fordert der Caritas-Präsident als eine der vielen notwendigen Maßnahmen die Einführung einer reformierten Erbschaftssteuer. Zudem müssten im Pflegebereich endlich „gleiche Regeln für alle“ gelten, so Küberl: „Konkret heißt das beispielsweise: gleiche Behandlung von Privatvermögen, wenn jemand in ein Pflegehaus übersiedelt, dieselben Höchstgrenzen für mobile Betreuungs- und Leistungsstunden und vor allem: Hände weg vom Einkommen der Kinder.“

Zudem fehle es den Betroffenen derzeit an leistbaren und niederschwellig verfügbaren, mehrstündigen Betreuungsdiensten, plädiert Küberl für eine „Schließung der Betreuungslücken, die zwischen den mobilen Diensten und 24-Stunden-Betreuung klaffe. Und schließlich brauche es auch einen „Masterplan zur Vorbeugung von Pflege- und Betreuungsbedarf“. Laut einer WIFO-Studie liegt Österreich im Vergleich der EU-27 bei der Lebenserwartung zwar an der guten, siebten Stelle. Doch derzeit sind die ÖsterreicherInnen vergleichsweise lange pflegebedürftig. Küberl. „Jetzt geht es darum, alles dafür zu tun, dass die zusätzlichen Jahre auch gute Jahre werden.“

Forderung: jährliche indexgebundene Anhebung des Pflegegeldes

„Wir dürfen alte, pflegebedürftige Menschen nicht aufs Abstellgleis stellen! Es gilt entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich kein Mensch vor Alter und Pflegebedürftigkeit fürchten muss“, betont Michael Landau, Caritasdirektor der Erzdiözese Wien. Aktuell beziehen in Österreich rund 440.000 Menschen Pflegegeld. Durch die fehlende Valorisierung des Pflegegeldes müssen die Betroffenen einen erheblichen Verlust der Kaufkraft hinnehmen. Aus Sicht der Caritas ist eine jährliche indexgebundene Anhebung des Pflegegeldes höchst an der Zeit.

Als eine der größten Herausforderungen für unsere Gesellschaft sieht Landau künftig die Versorgung demenzkranker Menschen: „Hier ist die Politik gefordert, heute die Weichen für die Zukunft zu stellen, damit Menschen mit Demenz eine krankheitsgerechte und bezahlbare Pflege und Betreuung erhalten.“ Aktuell gibt es mehr als 110.000 Menschen in Österreich, die an einer Demenz leiden. Laut Prognose der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird sich die Anzahl der Erkrankten alle 20 Jahre verdoppeln.

Schulungen für Pflegekräfte: 24 Stunden selber bettlägrig oder im Rollstuhl verbringen

„In der Caritas Steiermark bemühen wir uns um eine möglichst breite Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Pflegebereich“, sagt Maria Gschaider, Leiterin des Bereichs Betreuung und Pflege in der Caritas Steiermark. So beziehen die Caritas-Schulungen die Pflegehaus-Belegschaft von der Leitung bis zur Reinigungskraft mit ein. „Wenn die Bedürfnisse des betreuten Menschen im Mittelpunkt stehen, erfordert das eine Sensibilität aller dafür, was derjenige im Augenblick wirklich braucht. Wenn ein Hauswart beispielsweise hört, dass jemand ein Eis will, bedeutet das, dass er den Wunsch sofort an das Pflegepersonal weitergeben soll.“ „Immer wieder gibt es auch Schulungen, bei denen die Pflegekräfte selbst 24 Stunden in einem Pflegewohnhaus verbringen – beispielsweise im Rollstuhl oder überhaupt bettlägrig. Das hilft unseren Leuten, die Bedürfnisse der Menschen in solchen Situationen noch besser zu verstehen“, nennt Küberl ein weiteres Beispiel.

Für den Pflegebereich würde sich Gschaider mehr staatliche Mittel wünschen. Dafür könne sie gut mit „etwas weniger einengenden Vorschriften leben, so die Caritas-Pflegeexpertin: „Hygienevorschriften sind wichtig, aber derzeit dürfen wir mit den Bewohnerinnen und Bewohnern im Pflegewohnhaus nicht einmal für alle gemeinsam backen. Ein Pflegewohnhaus ist aber kein Krankenhaus, sondern Lebensraum für alte Menschen.“

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www.caritas.at


Quelle: APA
AutorIn: Caritas Österreich
Zuletzt aktualisiert am: 16.06.2017
Artikel-Kategorie(n): News, Pflegegeld und Pflegevorsorge
Permalink: [Kurzlink]
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