Jedes Jahr am 18. Juni wird weltweit der Autistic Pride Day begangen. Der Aktionstag wurde von autistischen Menschen ins Leben gerufen und stellt die Selbstvertretung, Vielfalt und Akzeptanz autistischer Menschen in den Mittelpunkt.
Dabei geht es nicht darum, Autismus zu idealisieren oder die Herausforderungen zu leugnen, die viele Betroffene im Alltag erleben. Vielmehr setzt der Autistic Pride Day ein Zeichen gegen Vorurteile, Ausgrenzung und die Vorstellung, autistische Menschen müssten sich für ihre Andersartigkeit schämen oder ständig an gesellschaftliche Erwartungen anpassen.
Das Gegenteil von Scham
Für viele autistische Menschen ist der Begriff „Pride“ – also Stolz – eng mit den Erfahrungen verbunden, die sie in ihrem Leben gemacht haben. Schon in der Kindheit erleben viele, dass ihre Art zu kommunizieren, zu denken oder die Welt wahrzunehmen als „falsch“ oder „unnormal“ bewertet wird. Autistic Pride setzt dem eine andere Botschaft entgegen: Autismus ist nichts, wofür man sich schämen muss.
Stolz bedeutet dabei nicht, sich über andere zu stellen oder Probleme auszublenden. Es bedeutet vielmehr, sich selbst anzunehmen und sagen zu können: Ich bin okay, so wie ich bin.
Gemeinschaft und Zugehörigkeit
Für viele Menschen im Autismus-Spektrum spielt auch die Erfahrung von Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Lange Zeit fühlen sich manche isoliert oder unverstanden. Durch den Austausch mit anderen autistischen Menschen entsteht oft das Gefühl, nicht allein zu sein.
Dabei wird deutlich, dass es „den Autismus“ nicht gibt. Autistische Menschen sind so unterschiedlich wie alle anderen Menschen auch. Sie haben unterschiedliche Interessen, Fähigkeiten, Unterstützungsbedarfe und Lebenswege.
Der Autistic Pride Day macht diese Vielfalt sichtbar und stärkt das Bewusstsein dafür, dass Autismus keine einheitliche Erfahrung ist.
Eine inklusive Gesellschaft schaffen
Der Autistic Pride Day erinnert daran, dass Inklusion mehr bedeutet als bloße Teilhabe. Es geht darum, Unterschiede anzuerkennen und Menschen nicht ständig an gesellschaftliche Normen anzupassen.
Eine inklusive Gesellschaft fragt nicht nur, wie sich autistische Menschen verändern müssen, sondern auch, wie Barrieren abgebaut und unterschiedliche Bedürfnisse berücksichtigt werden können.
Der 18. Juni ist daher nicht nur ein Tag der Sichtbarkeit, sondern auch ein Tag der Selbstbestimmung. Die Botschaft lautet: Autistisch zu sein macht einen Menschen weder besser noch schlechter. Es ist ein Teil menschlicher Vielfalt. Und niemand muss sich dafür schämen.