Sport soll jungen Menschen mit Behinderungen Zugehörigkeit und Selbstvertrauen geben. Damit organisierter Sport ein sicherer Ort ist, braucht es wirksame Schutzstrukturen, geschulte Erwachsene und unabhängige Anlaufstellen.
In einer Presseaussendung vom 12.08.2026 hat Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt auf die länderübergreifende CASES-Studie (Erasmus+ Projekt CASES – Child Abuse in Sport: European Statistics) hingewiesen. In der Studie wird festgestellt, dass interpersonale Gewalt gegen Kinder und junge Menschen im organisierten Sport fast ebenso häufig auftritt wie außerhalb des Sports. Der organisierte Sportbetrieb bietet für junge Menschen lt. Studie nur unzureichend Schutz vor körperlicher und psychischer Gewalt.
Ein britischer Teilbericht fand bei erwachsenen Befragten, die eine Behinderung angaben, rückblickend höhere Werte bei Vernachlässigung, körperlicher Gewalt und sexualisierter Gewalt ohne Körperkontakt. Die Gruppe war klein, deshalb sind die Ergebnisse kein allgemeingültiger Wert für alle jungen Menschen mit Behinderungen. Sie sind aber ein deutliches Signal: Schutzkonzepte müssen die Lebensrealitäten von Menschen mit Behinderungen mitdenken.
Projekt „Safe Para Sport Allies“
An solche Befunde knüpft das internationale Erasmus+ Projekt „Safe Para Sport Allies“ thematisch an. Darin werden folgende Empfehlungen zum Thema Sport für junge Menschen mit Behinderung ausgesprochen:
- Alle Trainer:innen sollen verpflichtend zu Grenzverletzungen, Gewalt und aktivem Eingreifen geschult werden.
- Die Schulung soll möglichst persönlich stattfinden, idealerweise als ein längerer Termin von etwa drei Stunden.
- Fallbeispiele sollen anspruchsvoller, behinderungsspezifisch und aus der eigenen Praxis der Teilnehmenden kommen.
Teilnehmende Schutzbeauftragte äußerten zusätzlich Bedarf an vertiefender Weiterbildung, etwa zu Gesprächen mit Angehörigen oder zum Umgang mit Vorwürfen.
Safe Sport Kodex soll in Österreich ausgearbeitet werden
Seit Juni wird lt. Staatssekretärin Schmidt gemeinsam mit Sport Austria als Interessenvertretung des organisierten Sports sowie der Expert:innenorganisation 100% Sport an einem österreichischen Safe Sport Kodex gearbeitet. Der Kodex soll noch bis Ende 2026 vorliegen und gemeinsame Standards für Prävention, Meldestrukturen, Aufarbeitung und Schutzmaßnahmen im österreichischen Sport definieren.
Vertrauensstelle vera* Sport
Wer Gewalt, Belästigung oder grenzverletzendes Verhalten im Sport erlebt, beobachtet oder befürchtet, muss damit nicht allein bleiben. Das gilt für junge Sportler:innen ebenso wie für Angehörige, Trainer:innen, Assistenzpersonen und andere Fachkräfte.
Die Vertrauensstelle vera* Sport berät kostenlos und vertraulich zu körperlicher, psychischer und sexualisierter Gewalt sowie Vernachlässigung im organisierten Sport. Ohne Zustimmung werden Informationen nicht weitergegeben; die Entscheidung über mögliche nächste Schritte liegt bei der betroffenen Person.
E-Mail: safesport@100prozent-sport.at
Telefon: +43 1 39 39 100, Dienstag und Donnerstag, 10:00–13:00 Uhr
Kontakt und weitere Informationen:
vera-vertrauensstelle.at/kontakt-sport
(vera* ist keine 24-Stunden-Krisenhotline. Bei akuter Krise gibt es weitere qualifizierte Anlaufstellen über gewaltinfo.at.)
Sport sollte insbesondere für junge Menschen mit Behinderung ein sicherer Hafen sein. Körperliche und psychische Sicherheit ist die Voraussetzung dafür, dass junge Menschen mit Behinderungen Sport mit Freude, Selbstbestimmung und Vertrauen erleben können.
Quellen
Presseaussendung vom 12.08.2026 | APA OTS
Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport
„Sport: Zwei Drittel erlebten psychische Gewalt, ein Drittel körperliche Gewalt und sexuelle Übergriffe“
https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20260812_OTS0035
Lang, M., Hartill, M., & Sage, D. (2021). Child Abuse in Sport: European Statistics. UK National Report. Edge Hill University.
https://research.edgehill.ac.uk/ws/files/50597358/CASES_UK_NATIONAL_REPORT.pdf
Safe Para Sport Allies (2023). Mapping the needs: Analysis report. Thomas More, G-sport Vlaanderen & LFB.
https://thomasmore.be/sites/default/files/2024-06/SPSA_Mapping%20the%20needs.pdf
Projekt CASES – Child Abuse in Sport: European Statistics
https://cases.univie.ac.at/