In einer Pressekonferenz in Wien hat die Caritas am 10. September 2026 auf eine zunehmende Problematik in der Altenbetreuung hingewiesen. Ihr zufolge würden Sozialbetreuungsberufe in der Langzeitpflege von Senior:innen einen zu geringen Stellenwert haben und nicht genügend Wertschätzung erfahren.
Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich, betont: „Wer nur nach Pflegepersonal sucht, verkennt die Lebensrealität der Menschen. Ein Großteil der Menschen – vor allem im Alltag, in Familien oder bei Demenz-Erkrankung – braucht Betreuung und keine medizinische Pflege“. Die Strukturen im Österreichischen Pflegebereich würden diesem Umstand zu wenig gerecht werden. Es wird dabei sehr oft primär auf medizinische Versorgung geachtet, d.h. Berufsgruppen wie z.B. Pflegeassistenz hätten den Vorrang.
Doppelqualifikation bei Sozialbetreuungsberufen
Dies führt oft dazu, dass die höher qualifizierten Fachsozialbetreuer:innen (Altenarbeit), die im Rahmen der Ausbildung auch die Pflegeassistenz absolviert haben, schlussendlich nur als Pflegeassistenz mit niedrigem Gehalt angestellt würden. „Die Menschen wollen in der Sozialbetreuung arbeiten und für andere da sein. Unsere Absolvent:innen bringen mit der in die Ausbildung integrierten Pflegeassistenz sogar eine Doppelqualifikation mit“, erklärt Ernst Sandriesser, Direktor der Caritas Kärnten.
Caritas hat Betroffene befragt
Eine aktuelle Caritas-Befragung unter 575 angehenden Sozialbetreuungs- bzw. Pflegekräften zeigt eine sehr hohe Motivation bei gleichzeitig klarem Reformbedarf:
Hohe Motivation und Bindung:
89,4 % wollen langfristig im Beruf bleiben. Hauptgründe für die Fachkräfte sind die Freude am Umgang mit Menschen (26 %) sowie eigene Vorerfahrungen und der gesellschaftliche Nutzen (je 16 %).
Dringende Reformwünsche:
Um den Alltag zu verbessern, fordern die Personen in Ausbildung vor allem mehr Personal (24 %), höhere finanzielle und gesellschaftliche Anerkennung (21 %) sowie bessere Arbeitsbedingungen und verlässliche Dienstpläne (20 %).
Reformforderungen an die politisch Verantwortlichen
Die Caritas sieht zwei zentrale Handlungsfelder: die Ausbildung und die strukturellen Rahmenbedingungen im Berufsalltag.
In der Ausbildung fehlen finanzielle Mittel sowie ausreichend moderne Räumlichkeiten und Ausstattung, damit mehr Personen ausgebildet werden können. Außerdem muss in diesem Beruf noch mehr Augenmerk auf Praktika gelegt werden. 50 % der Ausbildung finden in der Praxis. Daher muss die Praxisanleitung auch bezahlt werden.
Im strukturellen Bereich sind die Länder gefordert: die Personalschlüssel und Tarife müssen entsprechenden angepasst werden, damit Pflege UND Sozialbetreuung bzw. konkret Altenarbeit Hand in Hand zusammenarbeiten können.
„Ältere Menschen brauchen Betreuung und Pflege, um ein gelungenes Leben zu führen. Nutzen wir das große Potenzial der Sozialbetreuung, damit das System und die vielen Pflegefachkräfte nicht noch mehr überlastet werden“, so Tödtling-Musenbichler abschließend.
Quellen / Links
APA OTS / Caritas Österreich / 10.09.2026
Caritas: Fachkräftemangel stoppen durch gesetzliche Anerkennung der Sozialbetreuung



