Rückblick Diakoniewerk Fachtagung Demenz | 24. September 2026

Wie können Menschen mit Demenz qualitätsvoll begleitet und gleichzeitig Mitarbeitende nachhaltig gestärkt werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt der fünften Fachtagung Demenz der Diakonie Akademie am 24.09.2026 im Neuen Rathaus in Linz.

Rund 100 Teilnehmende aus dem Diakoniewerk und anderen Sozialorganisationen nutzten das Weiterbildungsformat, um neue Impulse für die Begleitung von Menschen mit Demenz zu erhalten und sich über Erfahrungen aus der Praxis auszutauschen.

Mit einer älter werdenden Bevölkerung steigt auch die Zahl der Menschen, die mit Demenz leben. Das betrifft zunehmend auch Menschen mit Behinderungen und stellt Fachkräfte in Einrichtungen vor neue Fragen. Gleichzeitig beschäftigt das Thema viele Angehörige, die Menschen mit Demenz zu Hause begleiten. Im Anschluss an die Fachtagung fand daher ein kostenloser Angehörigenabend statt, bei dem Fachkräfte des Diakoniewerks, Referent:innen der Fachtagung und eine Neurologin Fragen beantworteten und mit Angehörigen ins Gespräch kamen.

Humor als Ressource im Arbeitsalltag

Matthias Prehm eröffnete den Tag mit seiner Keynote „Pflege deinen Humor“. Der Fachkrankenpfleger für Intensivpflege und Anästhesie und Inhaber der Seminaragentur HumorPille® zeigte, wie Humor dabei helfen kann, mit herausfordernden Situationen im Arbeitsalltag umzugehen und die eigene Resilienz zu stärken. Anschauliche Beispiele aus seiner beruflichen Praxis machten deutlich, wie Humor als persönliche Ressource eingesetzt werden kann.

Teamarbeit stärkt die Qualität

Christian Müller-Hergl, Pflegeexperte und Autor, widmete sich der Bedeutung funktionierender Teams für die Lebensqualität von Menschen mit Demenz. Seine zentrale Aussage: „Je besser es dem Team geht, desto höher ist die Lebensqualität der Bewohner:innen“.

Müller-Hergl stellte die von ihm entwickelte Methode Feedback Demenz (FeDem) vor. Sie ermöglicht es, Abläufe im Betreuungsalltag gezielt zu analysieren, gemeinsam zu reflektieren und konkrete Möglichkeiten zur Weiterentwicklung in der Begleitung zu erarbeiten. Im Mittelpunkt stehen dabei sowohl das Wohlbefinden der Bewohner:innen als auch die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeitenden einer Einrichtung.

Sechs Personen posieren lächelnd für ein Gruppenfoto vor einer blauen Bannerwand mit der Aufschrift „Impulse“. Ganz links steht ein Mann in einem dunklen T-Shirt, gefolgt von einer Frau mit Leopardenmuster-Schal, einer Frau in heller Jacke, einer Frau mit auffälliger roter Brille und bunten Ketten im Vordergrund, einem Mann im Sakko, einer Frau in braunem Pullover und ganz rechts eine blonde Frau in einem roten Oberteil.
Foto von der Fachtagung Demenz: v.l.n.r.: Mario Golser, Diakoniewerk; Dr.in Mariana Kranich, Dipl. Psychogerontologin; Sabine Eder, MA, Programmleitung Diakonie Akademie; Karla Kämmer, Organisationsberaterin; Dipl.-Theol. BPhil. Christian Müller-Hergl, Pflegeexperte; Christiane Schulze, Organisationsberaterin; Pia Achilles, Coachin | Foto © Diakoniewerk

Emotionale Entwicklung von Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung

Mariana Kranich, Psychologin und diplomierte Psychogerontologin, stellte den Ansatz der emotionalen Entwiclung (SEED-Ansatz) vor. Dieser unterstützt dabei, den emotionalen Entwicklungsstand von Menschen mit Demenz und kognitiver Beeinträchtigung besser zu verstehen. Gerade bei Menschen mit Behinderungen können kognitive und emotionale Entwicklung unterschiedlich ausgeprägt sein. Oft stehen Personen mit geistiger Behinderung auf einer niedrigeren emotionalen Entwicklungsstufe als es ihre kognitive Leistungsfähigkeit vermuten lässt. Wird diese Diskrepanz im Betreuungsalltag – insbesondere in den gestellten Erwartungen und Anforderungen – nicht berücksichtigt, kommt es zur Überforderung und zu Verhaltensweisen, die als herausfordernd erlebt werden. Der SEED-Ansatz hilft dabei, Verhalten besser einzuordnen und die Begleitung danach auszurichten.

Methoden für die Praxis

Am Nachmittag stellten Karla Kämmer, Diplomierte Sozialwissenschafterin, und Mario Golser vom Team Netzwerk Entwicklung und Wissen im Diakoniewerk die Methode Feedback Demenz anhand konkreter Beispiele vor. In Gruppen tauschten sich die Teilnehmenden über Situationen aus ihrem eigenen Betreuungsalltag aus und zeigten auf, welche Veränderungen im Verhalten der Bewohner:innen sichtbar wurden, wenn sie neue Wege in der Begleitung erprobten.

Den Abschluss bildete der Beitrag von Pia Achilles, Sozialwissenschafterin und Coachin. Sie gab Impulse für mehr Resilienz im Arbeitsalltag und zeigte, welche Rolle Rituale dabei spielen können, Mitarbeitende in Einrichtungen zu stärken und Überforderung vorzubeugen. Sie ist überzeugt: „Je mehr man bei sich selbst ist, desto besser kann man sich auf sein Gegenüber einstellen.“

Austausch mit Angehörigen ab 17 Uhr

Im Anschluss an die Fachtagung lud die Diakonie Akademie zum kostenlosen Angehörigenabend ein. Angehörige konnten ihre Fragen einbringen, sich mit Fachpersonal austauschen und Informationen rund um die Begleitung von Menschen mit Demenz erhalten.

Die nächste Fachtagung Demenz findet am 23. September 2027 statt.

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