ÖKSA Jahreskonferenz 2021 - Digitalisierung in der sozialen Arbeit – Herausforderungen und Potentiale, Donnerstag, 11. November 2021, Fachhochschule Dornbirn – hier klicken

Datum: 15.11.2013

Rollstuhl und Behinderung – ein paar historische Notizen…

Stephan Farffler, Erfinder des 3rädrigen Rollstuhls

Stephan Farffler, Erfinder des 3rädrigen Rollstuhls

So manche/r Rollstuhlfahrer/in mag sich zuweilen auch die Frage nach der historisch-technischen Entwicklung dieses für ihn so unentbehrlichen Gefährts stellen. Ein paar geschichtliche Notizen von Hans Kurt Groß.

Über die Geschichte des Rollstuhls gibt es einige Bildquellen und Literaturhinweise, eine kleine Auswahl soll hier vorgestellt werden.

Die Geburt des Handbikes

Z.B. die bemerkenswerte Geschichte eines an beiden beinen gelähmten deutschen Uhrmachers namens Stephan Farffler (1633-1689), der in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts in der Stadt Altdorf bei Nürnberg lebte und arbeitete. Als dreijähriges Kind erlitt er einen schweren Sturz und war dann Zeit seines Lebens gehunfähig. Aufgrund seiner technischen Fertigkeiten konstruierte er sich mit 22 Jahren (und später dann eine verbesserte Ausgabe davon) einen mechanischen Rollstuhl, mit dem er, was ihm wohl ein besonders Anliegen war, von seiner Werkstatt selbständig in die nahe gelegene Kirche gelangen konnte – ein frühes Beispiel der Selbsthilfe! Dieser Rollstuhl war höchstwahrscheinlich der Urahne aller späteren „Handbikes“!

Der Kaiserin Rollstuhl

Rollstuhl der Kaiserin Elisabeth Christine

Rollstuhl der Kaiserin Elisabeth Christine; Quelle: hofmobiliendepot.at

Dass sich solche mechanischen Hilfsmittel zur Fortbewegung in früheren Zeiten natürlich nur Wohlhabende bzw. technisch Versierte leisten konnten, versteht sich von selbst.

Ein anschauliches Bild eines barocken Rollstuhles kann sich jede/r Besucher/in des (barrierefrei zugänglichen) Wiener Möbelmuseums machen (das ehemalige Hofmobbiliendepot, Wien VII., Andreasgasse 7).

Er stammt wohl aus dem Jahre 1740 und war im Besitz der Kaiserin Elisabeth Christine, die Mutter von Kaiserin Maria Theresia.

disABILITY History

Ein anderer interessanter Hinweis: In New York gibt es ein „Museum of disability history“ (Museum der Geschichte der Behinderung), dessen Homepage ich hier gleich anführen möchte:
[Link Museum of disABILITY History – museumofdisability.org]

Unter dem Menüpunkt „Virtual Museum“ befinden sich viele interessante Zeitdokumente zum Thema Behinderung zum Durchschauen…

Krüppellied

Bis weit in unsere Zeit hinein war (und ist für manch Ewiggestrige) der Anblick von Körperbehinderten für viele eher eine Zumutung oder Anlass zu Spott und Hohn und zuweilen auch höchst inhumanen Streichen (siehe z.B. das „Krüppellied“ von Peter Hammerschlag, grausam gut vorgetragen von Helmuth Qualtinger und Andre Heller: Krüppellied – Qualtinger und Heller – YouTube).

Am ehesten „tolerierte“ man noch versehrte Weltkriegsveteranen, die schon früher eine „Lobby“ hatten, wenngleich man sie noch lange und nicht gerade feinfühlig als „Kriegskrüppel“ bezeichnete.

Buchcover Der Körperbehinderte in Mythologie und Kunst

Buchcover Der Körperbehinderte in Mythologie und Kunst

Die Allgegenwärtigkeit von behinderten Menschen im Stadtbild des Mittelalters und der Neuzeit, aber wohl schon im Altertum ist auch Thema eines Buches, das sich vor allem mit ihrer Darstellung in der Kunst und Mythologie auseinandersetzt (Schlegel, Karl Friedrich: Der Körperbehinderte in Mythologie und Kunst. Stuttgart 1983). Leider ist dieses Werk derzeit vergriffen bzw. nur in Bibliotheken greifbar, also gewissermaßen nicht unbedingt „barrierefrei“ zugänglich…

Noch nicht gründlich aufgearbeitet:
Die Geschichte der Behinderung

Vieles gäbe es noch über dieses Thema zu schreiben, vor allem fehlt es an einer gründlichen Aufarbeitung der Geschichte der Behinderung, der diversen Hilfsmittel für und vor allem des Umganges mit behinderten Menschen in Österreich bzw. im mitteleuropäischen Raum.

Aber vielleicht dienen diese Zeilen ein wenig der Anregung bzw. als Anstoß, sich intensiver damit auseinander zu setzen.

Fraglos wurde und wird vieles für Behinderte gemacht bzw. „angedacht“. Aber so wie der bekannte, für die damalige Zeit auch recht sozial gesinnte österreichische Kaiser Joseph II es einst formuliert hat: „Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk.“ kann und soll dies natürlich vor allem für die unmittelbar betroffenen behinderten Menschen unserer Zeit wohl nicht gemeint und noch weniger erwünscht sein!

Quellenhinweise:


Quelle: Diverse
AutorIn: Hans Kurt Groß
Zuletzt aktualisiert am: 16.06.2017
Artikel-Kategorie(n): Gleichstellung und Antidiskriminierung, Hilfsmittel und Therapien, News
Permalink: [Kurzlink]


Newsletter abonnieren
Kollektivvertragsrechner - Mein Gehalt im Sozialbereich

Stellenanzeigen