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Datum: 28.11.2013

Österreichischer Gehörlosenbund: „Licht ins Dunkel“ erneuern

Jarmer fordert ein zeitgemäßes Bild von Menschen mit Behinderungen im ORF

Der Österreichische Gehörlosenbund fordert anlässlich eines TV-Spots eine Erneuerung der Spenden-Kampagne „Licht ins Dunkel“, ähnlich der deutschen „Aktion Mensch“ vor zehn Jahren. „Der Werbe-Clip zeigt 40 Sekunden lang ein Bild von Menschen mit Behinderungen, das nicht zeitgemäß ist, und Artikel 8 der UN-Behindertenrechtskonvention widerspricht“, sagt ÖGLB-Präsidentin Helene Jarmer. Gezeigt wird ein Bub, der seinen Freunden erklärt, er wolle „Knochendoktor“ werden, damit sein Bruder Fußballspieler werden kann. Der Bruder sitzt im Rollstuhl.

„Damit wird der Eindruck erzeugt, dass Menschen mit Behinderungen vor allem Hilfe brauchen“, kritisiert Jarmer. „Der Junge im Rollstuhl hat keine aktive Rolle in dem Spot. Wir hören nicht, was er denkt und wir sehen nicht, was er außer laufen alles kann. Dabei könnte der Bub selbst Sportler sein. Er könnte in einer barrierefreien und inklusiven Gesellschaft Lehrer werden, oder Arzt!“

Die Beschränkung der Darstellung auf die Behinderung als Defizit konterkariere die Empfehlungen des UN-Komitees für Menschen mit Behinderung, betont Jarmer. Der Ausschuss hat die Einhaltung der Behindertenrechtskonvention in Österreich überprüft und im September empfohlen, „Initiativen hinsichtlich der Bewusstseinsbildung zu ergreifen, um die bestehende Wahrnehmung von Menschen mit Behinderungen auf Grundlage des Wohltätigkeitsmodells und des ‚altmodischen‘ Verständnisses, dass alle Menschen mit Behinderungen beschützt werden müssen, effektiv zu verändern.“

Der ÖGLB fordert den ORF auf, SelbstvertreterInnen und deren Organisationen in die Planung und Umsetzung der Kampagne künftig frühzeitig einzubeziehen. „Damit Vorurteile über Menschen mit Behinderungen abgebaut und nicht verstärkt werden“, so Jarmer.

Der „Licht ins Dunkel“-Spot befördere die vorherrschende Fürsorge-Mentalität gegenüber Menschen mit Behinderungen anstatt zu zeigen, wie die Gesellschaft sich ändern muss, damit alle Menschen in einer Gesellschaft gleichberechtigt und selbstbestimmt miteinander leben können, stellt der ÖGLB in einer Aussendung fest.

Die frühere „Aktion Sorgenkind“ des ZDF in Deutschland hingegen hat diesen Wandel bereits vor über zehn Jahren vollzogen. Auf Druck der Selbstbestimmt Leben-Bewegung wurde im Jahr 2000 sogar der Name der Spendenkampagne in „Aktion Mensch“ geändert.

Die Änderung trägt dem Umstand Rechnung, dass die wirklichen Probleme von Menschen mit Behinderungen nicht in ihrer individuellen Beeinträchtigung liegen, sondern in der Praxis der Ausgrenzung und den massiven Vorurteilen gegenüber Menschen mit Behinderungen. Entsprechend dem sozialen Modell von Behinderung muss sich aber nicht der einzelne Mensch ändern oder geheilt werden. Vielmehr muss sich die Gesellschaft ändern, damit behinderte Menschen uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.


Quelle: Österreichischer Gehörlosenbund
AutorIn: Österreichischer Gehörlosenbund
Zuletzt aktualisiert am: 16.06.2017
Artikel-Kategorie(n): Gleichstellung und Antidiskriminierung, News
Permalink: [Kurzlink]


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