Datum: 01.03.2015

Zero Konferenz 2015: "Es muss noch sehr viel umgesetzt werden."

Credit: Essl Foundation/APA-Fotoservice/Hörmandinger

Am 26. und 27. Februar 2015 wurde zum bereits fünften Mal die ZERO PROJECT Konferenz abgehalten, diesmal in der UNO City in Wien. Das Thema heuer war „Selbstbestimmt Leben und politische Teilhabe“. Es waren ca. 5000 VertreterInnen aus 150 verschiedenen Ländern zu Gast. Von Aserbaidschan bis Simbabwe. Anna Hosenseidl war für behindertenarbeit.at mit dabei.

Martin Essl von der Essl Foundation in Österreich und Jakob von Uexkull des World Future Coiuncil aus Großbritannien gründeten 2010 das ZERO PROJECT, mit dem Ziel, die UN-Konvention für Menschen mit Behinderung umzusetzen. Das ZERO PROJECT erhielt 2015 einen Preis für innovative Behindertenarbeit von GAATES (2007 gegründet für Innovationen im Bereich Barrierefreiheit im öffentlichen Raum, in 45 Staaten weltweit aktiv).

Eröffnungsreden hielten unter anderen Daniela Bas von der Division for Social Policiy and Development (DSPD), Facundo Chavez Penillas vom UN-Hochkommissariat für Menschenrechte (OHCHR) aus der Schweiz und Javed Abidi von Disabled Peoples International (DPI). Daniela Bas sprach über 17 Ziele zur Bekämpfung von Diskriminierung und für Inklusion von Menschen mit Behinderung. Ihre Organisation berät Staaten bei Entscheidungen zur Umsetzung der UN-Konvention. Facundo Chavez Penillas berät Staaten bei der Umsetzung der Menschenrechte vor allem für Menschen mit Behinderung. Es ging auch um politische Teilhabe für Menschen mit Behinderung, da es noch immer einige Länder gibt, in denen Menschen mit Behinderung politisch diskriminiert werden, indem sie beispielsweise nicht an Wahlen teilnehmen dürfen.

Javed Abidi aus Indien hat über die Situation von Menschen mit Behinderung im globalen Süden referiert. Dies war vor allem deshalb wichtig, weil 80% aller Menschen mit Behinderung im globalen Süden leben und selbstbestimmt Leben bisher nur in wenigen Regionen umgesetzt wurde. Seine Organisation ist in 150 Ländern aktiv und umfasst viele verschiedene Teilorganisationen in aller Welt.

Im Anschluss an die Eröffnungsreden gab es verschiedene Workshops. Es gab Workshops über Berufsbilder für Menschen mit Behinderung, über persönliche Assistenz, über inklusive Wahlen im globalen Süden, über verschiedene Organisationen und Dienstleister im Bereich der Behindertenarbeit, über Strategien für Unternehmen zur Inklusion von Menschen mit Behinderung, Empowerment und viele weitere Themen.

In einem Workshop über weltweite Daten und Statistiken zu selbstbestimmt Leben und politischer Teilhabe hat Daniela Bas darauf aufmerksam gemacht, dass es kaum vergleichbare Daten zu dem Thema gibt und die Forschungen vor allem auf Schätzungen beruhen. Jedoch stellt sie fest, dass Inklusion auf allen politischen Ebenen stattfinden muss und vor allem die politische Teilhabe von Menschen mit Behinderung gefördert werden muss, damit sich die Situation zukünftig verbessern kann.

Abschließend möchte ich sagen, dass es sehr viel spannenden Input gab, jedoch in den Workshops zu wenig Diskussionsmöglichkeiten gegeben waren.

Es lässt sich ein sehr starkes Nord-Süd-Gefälle erkennen, wenn es um Inklusion und politische Teilhabe von Menschen mit Behinderung geht. Umso erschreckender ist es, dass in Österreich die UN-Konvention sehr schlecht umgesetzt wird, obwohl Österreich eines der reichsten Länder auf der Welt ist.

Mein Fazit ist, dass im Bezug auf selbstbestimmt Leben und politische Teilhabe von Menschen mit Behinderung noch sehr viel umgesetzt werden muss, die Konferenz hat jedenfalls einen Beitrag zur internationalen Vernetzung geleistet.


AutorIn: Anna Maria Hosenseidl
Zuletzt aktualisiert am: 16.06.2017
Artikel-Kategorie(n): News, Selbstbestimmtes Leben
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