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Datum: 18.04.2011

Behinderung – und die Angst davor…

Vom Häuslbaun und barrierefrei baun und von der Einstellung zu Behindert-sein. Ein Kommentar von Thomas Stix.

In Oberösterreich am Land, wo ich herkomme und gelegentlich urlaube, sind die Häuselbauer zugegen. Jedermensch, der was auf sich hält und ein angesehenes Leben führen will, baut sich sein eigenes Haus, oder – zumindest – baut das Elternhaus um und aus. Schicke Häuser sind es allesamt mit schönen Fassaden, nett anzusehenden Dächern, Fenstern, Türen, Gärten… Was man aber so gut wie gar nicht finden wird, ist ein barrierefreier Eingang, es sind fast ausnahmslos Hauseingänge mit Stufen! Der private Hausbau kennt nicht im Mindesten die Regeln barrierefreien Bauens. Und dabei wäre es überhaupt keine Kostenfrage. Eine Rampe beim Hauseingäng könnte überall ohne viel Aufwand – da ja auch genügend Platz zur Verfügung steht – eingeplant und angebracht werden. Allein, es wird nicht gemacht.

Ich hab mir öfters die Frage gestellt, warum das so ist. Warum konstruieren die Häuslbauer nicht schon um ihrer selbst Willen ihr Eigenheim barrierefrei, es kann doch jedeR in die Lage kommen, nicht mehr gehen zu können, auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein… womöglich sogar alt und pflegebedürftig zu werden und dann seine liebe Not zu haben mit den Stufen. Ganz abgesehen davon, dass jemand im Rollstuhl zu Besuch kommen könnte… Der wird dann hinaufgehoben und geschoben, dass es schaurig zum zuschauen ist… Ich spreche aus Erfahrung.

Der Grund liegt in der Angst vor Behinderung an sich. Dort, wo ein barrierefreier Eingang ist, dort ist schon „Behinderung“. Eine subtile Paradoxie. Solange wir Stufen steigen, sind wir nicht behindert. Solange es Stufen gibt, hat der Rollstuhl keine Chance.

Behinderung ist dann „gut“, wenn sie – um Gottes Willen! – nicht einen selbst betrifft, wenn sie schön mit genügend Abstand gut aufgehoben irgendwo existiert, dort, wo alle glücklich und zufrieden sind. Das ist eine Grundeinstellung, die in den meisten Köpfen manifestiert ist, und die eine gleichberechtigte Einbindung in die Gemeinschaft nicht leicht macht… Dabei müsste jedeR nur mal daran denken, was ist, wenn er oder sie in die Lage kommt… Was dann?


AutorIn: Thomas Stix
Zuletzt aktualisiert am: 04.06.2015
Artikel-Kategorie(n): Kommentare, News
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