Datum: 11.07.2016

Schäbig: Kronen Zeitung spielt Behinderte gegen Flüchtlinge aus

Kronen Zeitung What the fuck

Man ist es ja von der Kronen Zeitung gewohnt, dass dort in populistischer Weise der größte Blödsinn verzapft wird und auf Minderheiten, wie es gerade passt, herumgehackt wird. Ein – in meinen Augen – besonders grauslicher Artikel (Behinderte Menschen: „Billig-Öffis für Migranten, wir zahlen Vollpreis“) ist vergangene Woche in der Online-Krone erschienen. Ich möchte diesen nicht unwidersprochen lassen, da ich mich als behinderter Mensch dadurch angegriffen fühle.

In besagtem Krone-Artikel geht es um die Öffi-Tickets in Wien. Angeblich sollen sich behinderte Menschen darüber beschweren, dass „Migranten“ verbilligte Tickets bekämen, und sie – „sie leiden unter schweren Behinderungen“ – müssten Vollpreis zahlen.

Zuerst einmal stellt sich die Frage, was hat denn das eine mit dem anderen zu tun? Es hat nichts miteinander zu tun, es ist nur die schäbige Methode der Kronen Zeitung, billig Emotionen zu erzeugen, in diesem Fall, indem man benachteiligte Gruppen gegeneinander ausspielt.

Zweitens: Mal überhaupt – Warum soll jemand, nur weil er behindert ist, nicht ganz normal für die Öffis zahlen, wenn er diese benutzt? Aber klar, im „Hirn“ der Krone ist jeder Behinderte ein armer Bittsteller, daher müssen solche Vergünstigungen sein! In Wirklichkeit gibt es bei behinderten Menschen auch welche, die mehr Geld haben (zB. wenn sie einen Job haben) und andere, die weniger haben und zB. Mindestsicherung beziehen. Und für behinderte Menschen, die weniger Geld haben, gibt es – wie für nichtbehinderte auch – die Möglichkeit, eine vergünstigte Fahrkarte zu bekommen. Genau so ist es auch richtig!

Gerade in Wien ist der öffentliche Verkehr zum größten Teil bereits barrierefrei, da hat die Stadt Wien in den letzten Jahren etwas geleistet, was einen internationalen Vergleich nicht zu scheuen braucht. Also ist es voll ok, wenn behinderte Menschen genauso zahlen, wie andere auch.

Dass die Krone-Reporter offenbar Probleme damit haben, einfache Wörter zu unterscheiden, zeigt auch, dass sie von „Migranten“ schreiben. Wenn, dann geht es doch wohl – und so ist es von der Stadt Wien auch offenbar in Planung – um günstige Tickets für Asylwerber. Ein bisschen nachgedacht, versteht man auch schnell, warum dies Sinn macht: als Asylwerber erhält man eine Grundversorgung, die nur das Allernotwendigste zum Leben beinhaltet, ein Monatsticket um 48 Euro ist da nicht leistbar. Gerade Asylwerber sollen aber nicht tatenlos zuhause herumsitzen sondern Kurse besuchen, Beratungen in Anspruch nehmen etc. Wenn dies aber daran scheitert, dass die U-Bahn-Fahrt zu teuer ist, dann schadet das doch den gesamten Integrationsbemühungen. Es ist doch im Interesse aller, dass Menschen, die hier her kommen, an der Gesellschaft teilnehmen und nicht untätig sind.

Für mich als behinderter Mensch ist es unerträglich, wie die Kronen Zeitung hier Asylwerber gegen behinderte Menschen ausspielt. Ich verwehre mich hier ausdrücklich dagegen! Gerade als behinderter Mensch weiß ich, wie wichtig Solidarität ist, und Solidarität mit Menschen, die Hilfe brauchen, ist das, was unsere Gesellschaft stark und lebenswert macht.

Thomas Stix


AutorIn: Thomas Stix
Zuletzt aktualisiert am: 14.07.2016
Artikel-Kategorie(n): Kommentare, News
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