Datum: 29.01.2019

Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialwirtschaft gehen morgen in entscheidende Runde

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Arbeitgeber machen faires Angebot und hoffen auf raschen Abschluss

Die Kollektivvertragsverhandlungen für mehr als 100.000 Beschäftigte in den Sozial- und Gesundheitsberufen gehen morgen (30.01.2019) in ihre dritte und damit letzte geplante Runde. Beim Gehalt steht der Forderung der Gewerkschaften nach einer Erhöhung um mehr als 6 % ein Erstangebot der Arbeitgeber, das gemessen an der Inflationsrate mit 2,37 % bereits im Bereich vergangener Abschlüsse liegt, gegenüber. Trotz der scheinbar weit auseinanderliegenden Positionen sind die bisherigen Gespräche aber konstruktiv verlaufen.

„Zusammen mit den Forderungen nach einer 35 Stunden-Woche und 6 Wochen Urlaub für alle sowie weiteren Punkten summieren sich die Wünsche der Gewerkschaften auf über 25 % Mehrkosten, das wäre in keiner Branche auch nur annähernd leistbar“, so SWÖ-Verhandlungsführer Walter Marschitz.

Er zeigt sich auch darüber verwundert, dass Forderungen wie die 35-Stunden-Woche in Branchen, die vom Wirtschaftswachstum der letzten Jahre stark profitiert und hohe Gewinne erzielt haben, gar nicht ernsthaft gefordert wurden. „Der Gesundheits- und Sozialbereich kämpft hingegen seit Jahren darum, die Mehrkosten, die sich durch die allgemeine Teuerung und die Gehaltsabschlüsse ergeben von den – meist öffentlichen – Auftraggebern adäquat abgegolten zu bekommen. Zusätzlich gab es gerade in letzter Zeit etwa bei den aktiven Arbeitsmarktprojekten oder der Flüchtlingsbetreuung starke Kürzungen“, erklärt Marschitz den eingeschränkten Spielraum der Arbeitgeber. Zudem sei die Sozialwirtschaft bei der Arbeitszeit mit der 38-Stunden-Woche ohnehin schon Vorreiter.

„Aber schon in der Vergangenheit sind die Positionen zu Beginn der Verhandlungen weit auseinander gelegen“, so Marschitz weiter. „Die in Aussicht gestellte Gehaltserhöhung und die bisher diskutierten Verbesserungen bei dringenden Fragen der Dienstplangestaltung und der Arbeitszeiten sind ein faires Angebot auf dessen Basis eigentlich eine gemeinsame Lösung gefunden werden sollte.“

Der Vorsitzende der Sozialwirtschaft Österreich, Erich Fenninger – als Geschäftsführer der Volkshilfe selbst für eine große Trägerorganisation verantwortlich – hebt hervor, dass sich die natürlichen sozialpartnerschaftlichen Interessengegensätze im Gesundheits- und Sozialbereich etwas anders darstellen als in anderen Bereichen. „Der Großteil der Betriebe ist gemeinnützig und schüttet daher keine Gewinne an Dritte aus. Die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer haben aber eine Verantwortung für ihre Betriebe und damit auch für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Würde man die Gewerkschaftsforderungen 1:1 umsetzen, würde das vermutlich kaum eine Organisation verkraften“, so Fenninger abschließend.


Quelle: APA OTS
AutorIn: SOZIALWIRTSCHAFT ÖSTERREICH
Zuletzt aktualisiert am: 29.01.2019
Artikel-Kategorie(n): Arbeitsbedingungen, News
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