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Datum: 01.09.2020

Persönliche Assistenz in Wien – Es fehlt die Wertschätzung!

Portrait Thomas Stix

Foto Portrait © Ernst Spiessberger, Bildmontage © behindertenarbeit.at

Enttäuschende Reaktion der Stadt Wien auf das Anliegen der Initiative „Persönliche Assistenz ist mehr wert!“

Ich bin Thomas Stix, ich habe eine schwere Behinderung, und ich lebe seit vielen Jahren mit Persönlicher Assistenz in Wien.

Im Juli habe ich die Initiative „#assistenzprotest – Persönliche Assistenz ist mehr wert!“ ins Leben gerufen. Hauptanliegen der Initiative ist die sofortige Erhöhung der Fördersummen für Persönliche Assistenz in Wien. Seit 12 Jahren hat die Stadt Wien die Fördersummen nicht erhöht.

Es wurde im Rahmen der Initiative ein Brief an die Stadt Wien geschrieben mit ebendiesem Anliegen. Die Antwort der Stadt Wien möchte ich hier erläutern.

Behinderte Menschen als politisches Druckmittel

Das Argument des Fachbereichsleiters im Fonds Soziales Wien (FSW), Robert Bacher, warum die Stadt Wien die PA-Förderung nicht erhöht ist:

Es braucht den Druck des Landes gegenüber dem Bund, dass es zu einer bundeseinheitlichen Lösung kommt. Durch die Erhöhung der Fördermittel von Seiten des Landes im Bereich der Persönlichen Assistenz kann dieser Druck nicht erzeugt werden.

Das bedeutet, die Stadt Wien gibt offen zu, dass das Leben und die Gesundheit behinderter Menschen als Druckmittel für politische Machtspiele mit dem Bund eingesetzt werden.

Die Untätigkeit der Stadt Wien bedeutet für behinderte Menschen eine stetige Verschlechterung der Selbstbestimmung und der Möglichkeit, ein gesundes Leben zu führen. Die negativen Auswirkungen, wenn die Assistenz Jahr für Jahr weniger wird, Jahr für Jahr schlechter bezahlt wird, bekommen behinderte Menschen am eigenen Leib zu spüren.

Die Stadt Wien nimmt diese Verschlechterungen für behinderte Menschen bewusst in Kauf, und erhofft sich dadurch, die „heiße Kartoffel“ Persönliche Assistenz schneller an den Bund loszuwerden.

Keine Wertschätzung für Persönliche Assistenz

Es macht mich wütend und traurig, dass FSW und Stadt Wien so über Persönliche Assistenz denken. Es ist nur ein lästiger Kostenfaktor. Ich finde es schade, dass es offenbar keine Wertschätzung gibt gegenüber von Persönlichen Assistent:innen und auch gegenüber von behinderten Menschen, die sich entschieden haben, mit PA zu leben.

Ein Leben mit PA bedeutet nämlich viel bürokratische Arbeit – Monat für Monat, viel organisatorische Arbeit (Arbeitsrecht, Diensteinteilung, Stundenlisten, Vertretungen einteilen etc.), viel Verantwortung gegenüber den Assistent:innen und Verpflichtungen gegenüber dem Fördergeber.

Behinderte Menschen, die mit PA leben, sind engagierte Bürger:innen, die sich anstrengen, an der Gesellschaft teilzunehmen und etwas beizutragen. Das wird von der Stadt Wien aber leider nicht wahrgenommen. Statt dessen wird uns immer wieder mitgeteilt, dass wir ein lästiger, unerwünschter Budgetposten sind.

Thomas Stix

Download

2020-07-28 Brief von FSW Bacher an Initiative-PA

Link zur Initiative „Persönliche Assistenz ist mehr wert!“

assistenzprotest.wordpress.com


AutorIn: Thomas Stix
Zuletzt aktualisiert am: 07.09.2020
Artikel-Kategorie(n): News, Persönliche Assistenz
Permalink: [Kurzlink]


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