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Datum: 27.09.2011

Blinde und sehbehinderte Menschen leisten Freiwilligenarbeit

Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs setzt sich seit mehr als 75 Jahren dafür ein, dass Menschen mit Sehbehinderung ein erfülltes, aktives Leben inmitten der Gesellschaft führen können. Mehr als 90 Personen aller Altersstufen engagieren sich zur Zeit ehrenamtlich für die Hilfsgemeinschaft, 25 davon sind sehbeeinträchtigt.

Mitglieder werden zu Freiwilligen

„Einige unserer freiwilligen MitarbeiterInnen kommen als Mitglieder zu uns und unterstützen später als Ehrenamtliche selbst andere Betroffene“, berichtet Geschäftsführerin Irene Vogel. „Ehrenamt hat in der Hilfsgemeinschaft seit Jahrzehnten einen sehr hohen Stellenwert. Das Veranstaltungsangebot für unsere Mitglieder ist breit und damit sind auch die Aufgabenfelder sehr vielseitig. Erst unsere ehrenamtlichen MitarbeiterInnen machen diese Vielfalt möglich. Dafür sind wir sehr dankbar. Dass sich bei uns blinde, sehbehinderte und sehende Menschen gemeinsam ehrenamtlich engagieren, ist etwas ganz Besonderes – alle können durch diese Begegnungen gewinnen.“

Für viele MitarbeiterInnen bedeutet ein ehrenamtliches Engagement, dass sie nach ihrer beruflichen Laufbahn neue Menschen kennenlernen, ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen können und dafür Dank und Anerkennung erhalten. Aber auch viele junge Menschen engagieren sich freiwillig für die Hilfsgemeinschaft – vor allem im Freizeitbereich. „Das Schöne an der ehrenamtlichen Tätigkeit ist, dass man gibt – aber noch mehr dafür bekommt“, sagt Irene Vogel.

Engagement ohne Grenzen

Die blinden und sehbehinderten ehrenamtlichen MitarbeiterInnen der Hilfsgemeinschaft leiten Bezirksgruppentreffen und Freizeitangebote, wie z. B. die Dartsgruppe, Kegel- und Spiele-Nachmittage oder die Theatergruppe. Sie unterstützen in Blindenschriftkursen, bei Sensibilisierungstrainings, bieten Selbsthilfe im Alltag an und fungieren als Experten in Gremien, die sich mit Barrierefreiheit und Mobilität befassen.

Julian Nagl (37) und Waltraud Winitzky (62) zählen zu den blinden ehrenamtlichen Mitarbeitern der Hilfsgemeinschaft. Beide sind ursprünglich als Mitglieder zur Hilfsgemeinschaft gekommen. Nagl ist u. a. Teammitglied in der FreizeitPlattform, ein Netzwerk für sehende, sehbehinderte und blinde Menschen, die gemeinsam Sport, Spaß und Abenteuer erleben wollen. Waltraud Winitzky leitet mit viel Geschick, Phantasie und Einfühlungsvermögen das Gruppenangebot „Kreatives Gestalten“.

Berührungsängste abbauen

Für Julian Nagl ist die ehrenamtliche Tätigkeit in der Hilfsgemeinschaft eine große Bereicherung. Nach seiner Erblindung hatte er sehr mit seinem Schicksal zu kämpfen, umso wichtiger war ihm der Austausch mit anderen Betroffenen: „Du erfährst und erlebst, dass es kein Weltuntergang ist zu erblinden.“ Es war ihm ein großes Anliegen, Anschluss zu finden – was sich jedoch in der Praxis als sehr schwierig herausstellte. Aber durch die Gruppenangebote der Hilfsgemeinschaft gelang es ihm schließlich neue Kontakte zu knüpfen. Als begabter Laiendarsteller erntete der sympathische junge Mann schon viel Lob und Anerkennung bei Vorstellungen der Theatergruppe „Jägerstraßler“.

Nagl empfindet es als Herausforderung auch selbst als ehrenamtlicher Mitarbeiter aktiv zu sein. Im Team der FreizeitPlattform organisiert und koordiniert er mit drei anderen Kolleginnen spannende Aktivitäten, wie z. B. Klettern, Kanu fahren, Schwimmen, Eislaufen, Wanderungen und Ausflüge. Besonders freut ihn, dass im Rahmen der FreizeitPlattform die Mitglieder einander auf gleichberechtigter Ebene begegnen und Berührungsängste abgebaut werden: „Es macht keinen Unterschied ob du blind, sehbehindert oder sehend bist, im Vordergrund stehen der Spaß und das gemeinsame Erleben.“ Für Julian Nagl nimmt die ehrenamtliche Tätigkeit bei der Hilfsgemeinschaft einen wichtigen Platz in seinem Leben ein: „Ich habe in der Hilfsgemeinschaft meine zweite Familie gefunden.“

Andere Menschen motivieren

„Wer hat Grün? Wer hat Gelb?“ In der Gruppe „Kreatives Gestalten“ geht es immer fröhlich zu. Es wird viel gelacht, die Freude am Formen und Malen steht im Vordergrund. Waltraud Winitzky, eine begeisterte Künstlerin, betreut diese Gruppe als ehrenamtliche Mitarbeiterin.

Sie hat immer schon gerne andere Menschen motiviert – früher als Lehrerin, heute im Rahmen ihrer freiwilligen Tätigkeit bei der Hilfsgemeinschaft. Immer wieder erlebt sie, dass manche Menschen Vorbehalte zum Thema Malen und Gestalten haben: „Einige trauen sich nicht zu kommen, weil ihre eigenen Ansprüche zu hoch sind. Diese Ängste versuche ich in meiner Gruppe abzubauen.“ Eine besonders spannende Herausforderung ist es für die Künstlerin, Teilnehmer die so wie sie erblindet sind zu betreuen. Unterstützung erhält sie dabei von einer sehenden ehrenamtlichen Kollegin.

Waltraud Winitzky malt seit ihrer Kindheit. Durch ihre Erblindung haben sich nur die Themen geändert, aber die große Begeisterung für die Kunst ist geblieben. „Malen bedeutet für mich Entspannung und diese Erfahrung möchte ich gerne an andere Menschen weitergeben“, sagt die engagierte Künstlerin.

Neue ehrenamtliche MitarbeiterInnen gesucht

Jeder, der sich freiwillig engagieren möchte, ist mit seinen Ideen in der Hilfsgemeinschaft, die regelmäßig Schulungen und Workshops für ihre ehrenamtlichen MitarbeiterInnen anbietet, willkommen.

Derzeit wird gerade jemand gesucht, der sich für Museen und Ausstellungen interessiert und bei der Organisation und Durchführung sehbehindertengerechter Führungen mithelfen möchte. Mehr Infos sowie eine Übersicht der aktuellen Ehrenamtsjobs gibt es unter http://www.hilfsgemeinschaft.at/index.php?id=98.


Quelle: www.hilfsgemeinschaft.at
AutorIn: Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs
Zuletzt aktualisiert am: 04.06.2015
Artikel-Kategorie(n): News
Permalink: [Kurzlink]


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