Datum: 13.04.2020

Corona-Krise: Kaum Vorkehrungen für behinderte Menschen

Bild zeigt eine Intensivstation

Intensivstation | Symbolbild | Fotoquelle © shutterstock

In der herrschenden Corona-Krise sehen sich Menschen mit Behinderung (social) medial zwar zeitweise in den Topf der #Risikogruppe geworfen, dass jedoch dringende Vorkehrungen und besondere Vorsichtsmaßnahmen getroffen würden, davon ist nichts zu bemerken.

Wer von behinderten Menschen spricht, der muss immer auch von Assistenz, Betreuung, Unterstützung und Pflege reden, und das bedeutet sozialen und physischen, oft auch körpernahen Kontakt, der sich nicht so einfach aussetzen lässt, den man nicht so einfach mal unterbleiben lassen kann. „Abstand halten!“ – das ist oft nicht möglich.

Keine vorrangige Testung

Und deswegen braucht es hier andere Strategien, um sowohl die Menschen mit Behinderung als auch deren Helfer und Unterstützer effektiv zu schützen. Leider sind jedoch die Behörden hier säumig. Wie etwa Robert Mittermair vom Verein LOK in seinem Artikel auf BIZEPS bereits Anfang April darstellt, werden Verdachtsfälle von Mitarbeitern der Behindertenhilfe als nicht dringlich bei COVID-19 Testungen eingestuft. Für diese Personengruppe sei „keine vorangige Testung vorgesehen“. Eine fatale Situation für Verantwortliche im Behindertenbereich, da ein infizierter Mitarbeiter sowohl die Kollegenschaft als auch – was noch schlimmere Auswirkungen haben kann – Kunden mit Behinderungen und Vorerkrankungen anstecken kann.

Behindertenwohnhäuser vergessen

In einer Presseaussendung fordert Albert Brandstätter von der Lebenshilfe Österreich rasche Testungen auf COVID-19 in Einrichtungen der Behindertenhilfe. Das Sozialministerium hatte zuvor angekündigt, dass es vermehrt Schwerpunkttestungen in Seniorenheimen geben soll, Behindertenwohneinrichtungen wurden dabei nicht erwähnt. „Wieder einmal werden Einrichtungen der Behindertenhilfe trotz all unserer Aufrufe vergessen“, wundert sich Lebenshilfe-Generalsekretär Brandstätter.

Rasches Handeln zum Schutz von Menschen mit Assistenzbedarf

Die von Dorothea Brozek initiierte Plattform behinderter, chronisch kranker und alter Menschen macht sich indes auch für die Interessen von Menschen stark, die in den eigenen vier Wänden mit Persönlicher Assistenz leben. Auch diese Gruppe kann nicht auf körperliche Hilfe verzichten, und ein nicht kleiner Anteil von ihnen hat ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Um diese Menschen und deren Assistenten zu schützen, hat die Plattform ein Maßnahmenpaket entwickelt, das deren spezieller Lebenssituation und deren Anforderungen gerecht wird. Auch hier besteht seitens der Politik und der Behörden ein rascher Handlungsbedarf!


Quellen:

BIZEPS.or.at | 13.04.2020
Artikel vom 01.04.2020 | Verdachtsfall Behindertenhilfe

Lebenshilfe Österreich via www.ots.at | 13.04.2020
Presseaussendung vom 12.04.2020 | Lebenshilfe: Covid-19 Testungen rasch auf Einrichtungen der Behindertenhilfe ausweiten!

Plattform behinderter, chronisch kranker und alter Menschen via www.ots.at |
Presseaussendung vom 09.04.2020 | Regierungsmaßnahmen anlässlich der Covid19-Pandemie für besonders gefährdete Menschen unzureichend


AutorIn: Redaktion
Zuletzt aktualisiert am: 21.04.2020
Artikel-Kategorie(n): News, Selbstbestimmtes Leben
Permalink: [Kurzlink]


Newsletter abonnieren
Kollektivvertragsrechner - Mein Gehalt im Sozialbereich

Stellenanzeigen