Datum: 20.02.2011

Behinderte arbeiten viel – aber Gehalt gibt’s dafür selten!

Zum Thema Arbeit: Die Leistung behinderter Menschen wird viel zu wenig anerkannt. Ein Kommentar von Thomas Stix.

Zum Thema behinderte Menschen und Arbeit muss ich jetzt mal einen Aspekt ansprechen, der anscheinend nirgends auftaucht: freiwillige, entgeltlose Arbeit. Ja, es ist Tatsache, dass sehr viele behinderte Menschen Arbeit leisten, die nicht entlohnt wird, für die diese kein Gehalt bezahlt bekommen. Und es handelt sich dabei nicht selten um sehr hoch qualifizierte Tätigkeiten, die auch mit viel Einsatz und Motivation verrichtet werden.

Man denke dabei an die politische, behindertenpolitische Arbeit, die behinderte Menschen leisten. Sie betreiben Bewusstseinsbildung und werden von keiner Lobby dafür bezahlt, sie arbeiten an Gesetzesinitiativen und Konzepten mit, und stehen bei keiner Partei auf der Gehaltsliste. Das ist Menschenrechtsarbeit, die jedem und jeder BürgerIn im Endeffekt was bringt. Kohle gibt’s dafür freilich selten.

Weiter geht es mit den vielen Arbeitsstunden für gemeinnützige Vereine: die Beratungstätigkeit – oft hochqualifizierte Peer Beratung – wird oftmals nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses, sondern in ehrenamtlicher Mitarbeit getätigt. Diese BeraterInnen sind eine Stütze für das gesamte Sozialsystem.

Da spreche ich jetzt noch nicht einmal von der verrichteten Arbeit in den Werkstätten und „Beschäftigungstherapien“, wo vielerorts hochwertigste Produkte hergestellt werden. Ein Taschengeld ist in den meisten Fällen das einzige „Gehalt“ für die Beschäftigten.

Wir behinderten Menschen werden in der Behinderten- und Gesellschaftspolitik immer nur als Kostenfaktoren gesehen, und in Zeiten wie diesen, wo Budgethaushalte saniert werden müssen und gespart wird, wo’s nur geht, kommt dies noch stärker ans Tageslicht. Wo bleibt aber die Anerkennung für das, was wir für die Gesellschaft tun? Ich weiß, was unsere Leistung ist, aber will die auch jemand sehen?

P.S.: Und noch was: Unter „Anerkennung“ verstehe ich nicht lobliche Worte und nette Fotos neben Zeitungsartikeln, ich verstehe darunter eine Überweisung auf ein Bankkonto!


AutorIn: Thomas Stix
Zuletzt aktualisiert am: 04.06.2015
Artikel-Kategorie(n): Kommentare, News
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