Datum: 05.05.2014

Sendung ohne Barrieren: Interview mit Mag.a Dorothea Brożek

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Heute – 5. Mai – ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung behinderter Menschen. In der 3. „Sendung ohne Barrieren“ spricht Thomas Stix mit der Expertin Mag.a Dorothea Brozek u.a. über die Entwicklung der Persönlichen Assistenz in Österreich.

Audioscript des Interviews

Thomas Stix: Frau Brozek, heute [5. Mai] ist der Europäische Protessttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Ein sehr wichtiger – und von der Selbstbestimmt-Leben-Bewegung immer wieder geforderter – Punkt zur Gleichstellung ist die Persönliche Assistenz. Wie schaut’s jetzt in Österreich aus… Welche Meilensteine gibt es, wo man sagen kann, das haben wir bis zum heutigen Tag in Richtung Persönliche Assistenz erreicht?

Dorothea Brozek: Die Meilensteine für Persönliche Assistenz würde ich jetzt in drei Etappen sehen: (1) Die Einführung des Bundespflegegeldes 1993, dann (2) die Bundesrichtlinie für Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz 2004 und dann (3) die Entwicklung der Persönlichen Assistenz bundesländerweise.

TS: 2002 ist aus der Wiener Behindertenszene heraus entstanden die Wiener Assistenzgenossenschaft. Und 2004 gab’s dann die Richtlinie zur Persönlichen Assistenz am Arbeitsplatz. Sie waren dabei bei dieser ganzen Entwicklung, die ja zweifellos ein Erfolg ist… Was bringt jetzt diese Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz?

DB: Die Richtlinie Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz ist das erste Bundesregelwerk für Persönliche Assistenz. Das muss man so sagen. Es regelt die Persönliche Assistenz arbeitsplatzbezogen, also Arbeit, Berufsausbildung, Studium, bzw. wenn man eben eine Arbeit aufnehmen will, also auch so aus der Arbeitslosigkeit heraus.

Die Bundesrichtlinie für Persönliche Assistenz am Arbeitsplatz hat fix verankert das Soziale Modell von Behinderung und geht auch davon aus, dass behinderte Menschen ExpertInnen sind für ihre Belange, schreibt auch fest, dass die Assistenz-Servicestellen – wenn nur irgendwie möglich – von behinderten Menschen selbst geleitet werden sollen und diese vorrangig gefördert werden sollen. Das Konzept der Assistenzkonferenz ist hier verankert, das bedeutet: Weg von Schreibtischentscheidungen hin zu Runden Tischen. Im wesentlichen ist es ein sehr modernes Regelwerk. Die Minuspunkte sind natürlich die, dass es nur für den Arbeitsplatz ist. Und wir müssen auch sehen, dass die Richtlinie für PAA ein Finanzierungskonzept ist. Es ist ein reines Finanzierungskonzept, und inhaltlich überhaupt absurd, ja. Inhaltlich ist es aburd, weil Persönliche Assistenz ist einfach für ALLE Bereiche nötig, man kann es nicht trennen.

TS: Als dritten Meilenstein haben wir Persönliche Assistenz – unter Anführungszeichen – in der Freizeit. Da haben wir in Österreich bundesländer-unterschiedliche Modelle. Wie schaut’s da derzeit in Wien aus?

DB: In Wien haben wir derzeit die Pflegegeld-Ergänzungsleistung [PGE].

Das ganz wichtige und sehr gute dieser Leistung ist, dass es eine Direktleistung ist für Persönliche Assistenz. Was noch optimierungsbedürftig ist, ist der Personenkreis, der sehr eng ist; Wenn man einmal in einer Einrichtung ist, kommt man nicht mehr raus. – und auch die Finanzierung und die Zuerkennung der Stunden, hier werden so viele Abschläge gemacht, an vielen Ecken, nämlich an drei gleich: Es wird das Pflegegeld abgezogen, es wird die PAA abgezogen, es wird nicht der ganze Bedarf anerkannt an Stunden, und der Stundensatz wird auch nicht zur Gänze gefördert sondern mit 16 EURO, und das seit 2008, wo es schon ganz viele Lohnerhöhungen eigentlich gab. Also, da steht noch ganz, ganz viel Arbeit an um das zu optimieren.

TS: Noch zum Thema Diversity. In ein paar Tagen – am 17. Mai – findet der 7. DIVERSITY BALL in Wien statt. Sie sind dort gemeinsam mit Roman Gregory für die Moderation zuständig. Behinderte Menschen… Feiern… Finden Sie das gut…?

DB: Also, feiern kann man nie genug. Und der DIVERSITY BALL gibt uns auch so einen guten Rahmen, um mit so vielfältigen Menschen zusammen zu kommen und andere Perspektiven kennen zu lernen und miteinander zu lachen, zu tanzen und zu feiern, was gibt’s schöneres…

TS: Frau Brozek, ich danke für das Gespräch.

DB: Gerne, Herr Stix, vielen Dank!


Quelle: Sendung ohne Barrieren
AutorIn: Sendung ohne Barrieren
Zuletzt aktualisiert am: 05.05.2014
Artikel-Kategorie(n): Media Tipp, News
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